Wolf-Christian’s Reisetagebuch

Beiträge vom Mai 2008

Alles wieder gut

31. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Hallo und guten Morgen :)
Das war ja ein schrecklicher Eintrag gestern, das muss ich mit guter Laune wettmachen. War gestern im SFMOMA, das sehr schön gebaut ist und eine Reihe wechselnder Ausstellungen zeigt; darunter eine mit Fotografien, die der Italiner Gabriele Basilico (heißt wirklich so) im vergangenen Jahr in San Francicso und Silicon Valley gemacht hat. Und abbildete, in was für austauschbarer Architektur die Kreativbranche untergebracht ist.
Abends habe ich Chris getroffen und seine google-Kollegen – und von seiner grandiosen neuen Wohnung mit Panoramablick haben wir eine Nachttour unternommen: über die Golden Gate Bridge und dann in einen Beachpark, mit Taschenlampen bewaffnet auf einen Felsen, von dem aus wir bei steifer Brise einen tollen Blick über die Stadt und den schwarzen Pazifik hatten. Der Absacker zum Aufwärmen danach musste schnell gehen, um zwei machen die Bars dicht. Deshalb heute gut ausgeschlafen auf zum Sightseeing.
Ich war sehr faul mit Fotos gestern *schäm*. Neue Fotos und alles über DEN FILM, den wir heute nachmittag sehen werden, gibts morgen Abend: bei Euch also Montag früh zum Kaffee.
Wünsche Euch einen tollen Start in die Woche!

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Die Flucht

30. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Das Ziel ist erreicht: heute früh um 6 bin ich aus Santa Cruz geflüchtet und zwei Stunden später das letzte Mal vom Highway 1 abgebogen, um in San Francisco mein Cabrio abzugeben..

Kurz noch zu dem Ort, aus dem ich komme, Santa Cruz.
Ich habe keine Ahnung, weshalb ich dort übernachtet habe, es gab sicher einen Grund, aber ich habe ihn vergessen – oder der Ort hat ihn mich vergessen lassen. Hier kurz meine Gemeinheiten und dann belasse ich es auch dabei.
OK, Santa Cruz, self named Surfer City, was für ein unsympathisches Kaff. Hab auch keine Surfer gesehen. Stattdessen begrüßt das an sich nette Hostel seine Gäste mit Regeln wie etwa Regel 2) Schuhe ausziehen und Regel 4) Sonnenbrille aufsetzen. Das ist finde ich schon der Hammer. Vielleicht sollten sie ergänzend für die schlimmsten Fälle ein Pediküre engagieren – oder ich hätte Kohlenglass aufsetzen müssen, um das Unheil nicht zu erkennen. Und außerdem: Wie außerordentlich uncool ist denn bitte die schriftlich fixierte Aufforderung zur Sonnenbrille! Paßt aber zum Volk.
Die einzig ansprechbaren Menschen waren die Gäste im Hostel.
Ansonsten: Erschreckend viele Aggrobettler, superviele dämlich grinsende Späthippies (verborgen hinter riesigen, von chinesischen Kindern billig zusammengeklebten Sonnenbrillen…) UND noch viel mehr PWWTMH: People With Way Too Much Hair, meistens Typ Stink. Merke: Mann ist nicht automatisch Mann, weil er rumläuft wie ein Yeti. Ich weiß auch gar nicht, was diese dämlichen Bärte jetzt immer sollen. Wie zur Bestätigung, dass an anderer Stelle auch noch was wächst. Und sich bei 25 Grad noch eine Wollmütze über den Zottelwuchs zu ziehen macht mich auch skeptisch, welche organic mushrooms da gedeihen sollen.
Und dann noch eine Nachricht für alle Spät-, Immerschon- und Neo-Hippies: Ganz ehrlich, die Zeit ist doch vorbei. Außerdem kommt es mir bei all der freigesetzten Kreativität komisch vor, dass in den großen Ausstellungen des Landes fast keine aktuelle Kunst von der Westküste gezeigt wird… Merke 2: Nich soviel Gras rauchen, nich soviel New Age quatschen, nich so dämlich grinsen. UND MICH NICHT NACH MEINEM AUSWEIS FRAGEN WENN ICH EIN BIER WILL. ICH BIN AUSGEWACHSEN. DAS SIEHT MAN AUCH.
Achso, die Stadt selbst: etwas runtergekommen und eine erschreckende Anmutung an das Set von „28 Days later“. Jahrmarkt am Strand: ausgestorben. Straßen um downtown herum: ausgestorben. Man kann den Ort nur ertragen, wenn man urst hetero oder urst vollst mit Drogen ist. Hostelblondine bitchy.

Fazit: Leave fast. Which I did. Siehe oben. Keine Fotos.

Dadurch einen Tag mehr San Francisco, was bereits mit einem Handgemenge an der überfüllten Tankstelle begann. Nun erstmal ein beruhigender Tee, später treffe ich noch Chris und mehr aus der Stadt der Matrosen morgen. Go sailers go, to Californio…

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Der schöne Wald an der schönen Straße

30. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Früh in Cambria aufgebrochen, um bei strahlendem Sonnenschein, das Verdeck offen, weiter die 1 nach Norden zu fahren. 20 Meilen nach Cambria werden aus den Hügeln steile Felsen, die ins Meer stürzen. Im offenen Wagen ist mir manchmal mulmig, wenn Brocken auf der Straße liegen. Je weiter nördlich ich komme, desto grüner werden die Berge, bald wachsen Bäume bis an den Ozean heran, die trockene Zone bleibt südlich hinter mir. Im Los Padres State Park dann richtiger Pazifischer Wald in den Tälern zwischen den Bergen.
Eines der Täler ist begehbar, der Julia Pfeifer Burns State Park, mit einem anstrengenden Weg, den ich in zweieinhalb Stunden – nallerdings schnell – gelaufen bin. Reicher Wald, von Regen und Sonne verwöhnt, blühende Wiesen, zwischendurch Steigungen, bei denen man am liebsten sofort umkehren möchte, dann aber die ultimative Belohnung, ein grandioser Blick über die Berge, den Pazifik, und die Straße tief unten. Ich habs versucht, auf Fotos festzuhalten, aber der Moment zählt.

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Trail of a Preacher Man

29. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Heute ein kleiner Ausflug in die katholische Geschichte Kaliforniens, die ursprünglich mehr damit zu tun hat, sich Land unter den Nagel zu reißen.
Als die Spanier Mitte des 18. Jahrhunderts mitbekamen, dass sich die Russen und Engländer langsam an der Westküste zu schaffen machten, beschlossen sie, die Sache systematisch für sich zu entscheiden. Sie schickten Pater Junipero Serra in die Spur. Er sollte Missionen gründen, um das spanische Einflussgebiet nach Norden zu sichern. Seit 1769 entstanden so 21 Missionen zwischen San Diego im Süden und San Francisco im Norden. 1772 entstand diejenige in San Luis Obispo. Die Missionen waren oft der Grund dafür, dass aus verschlafenen Nestern prosperierende Orte wurden. So auch in San Luis de Obispo. Die Priester hatten es nicht immer leicht mit den Indianern – weshalb sollten sie auch. Sie lebten fröhlich seit über 10.000 Jahren am selben Ort, und es war ihnen nicht unmittelbar einsichtig, weshalb sie sich an neue Sitten gewöhnen sollten. Fußnote: 1822 wurde Mexiko unabhängig von Spanien und Kalifornien gehörte zu Mexiko. Mexiko hatte kein Geld für Missionen und verkaufte San Luis de Obispo. 1848 wechselte Kalifornien die Seiten (zu den USA) und die gaben der Kirche das meiste Land zurück. Heute wird die Mission renoviert, es gibt ein unübersichtliches Museum und einen Garten mit wunderbar duftenden Blumen.

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California 1 North

29. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Es gibt nichts, was ein Amerikaner nicht übertrumpfen kann. Zum Beispiel Schloß Neuschwanstein. Hügel, Wahnsinnige und mächtig Geld gibt’s nicht nur in Bayern. Der Erbe, Verleger, mediale Tausendsassa und Politiker W.R. Hearst fand Gefallen daran, sich vom zuständigen mexikanischen Don massenhaft Land am Pazifik zu kaufen und eine Architektin mit einem Haus zu beauftragen. Das Haus wurde zu einer Villa und hatte schließlich über 140 Zimmer und 36 Badezimmer und einige Pools. Die Zimmer sind zum Teil unanständig eklektisch zusammengewürfelte Säle aristokratischer Anmutung. Und wie Neuschwanstein wurde auch dieses Schloss nicht fertig.

Zum Anwesen gehört auch ein wunderschönes Kliff, das vom Strand aus zu besteigen ist. An dessen Spitze schaut man über die Bucht, wilde Blumen blühen in allen Farben, 40 meter tiefer gräbt die Brandung Höhlen ins Gestein – ein herrlicher Ort!

Etwas weiter nördlich eine der wenigen Brutstätten der Elefanten-Seelöwen.

Keine Angst, die leben noch. Sie führen nur ein eher träges Leben, wenn sie an Land sind. Sie schlafen, kuscheln, oder beschaufeln sich mit Sand und machen dabei einen äußerst friedfertigen Eindruck. Wahrscheinlich ruhen sie sich für ihre monatelangen Touren durchs Meers aus, die sie übrigens allein und nicht in der Gruppe verbringen.

Danach die ersten Kilometer der wirklich schönsten Straße, die ich Kenne, die alte zweispurige Route 1. Man möchte hunderte Fotos machen und weiß gleichzeitig, dass keines die Schönheit der Landschaft abbilden wird. Der würzige Duft der Natur, die steilen Berge, die ins dunkelblaue Meer stürzen, jede Kurve offenbart einen neuen Höhepunkt und so jagt man von Blick zu Blick und kann sich gar nicht satt sehen. Ich möchte, dass sich jedes Panorama in mein Gedächtnis brennt, aber nach jeder Kurve ist das Bild ist schon ersetzt durch ein neues, genauso wunderbares.

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Expedition zur Rainbow-Bridge

29. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Heute habe ich die Stille gehört. Kein Grundrauschen, kein Gedudel, kein Geschrei. Nur der Wind und ein paar Vögel. Tiefblauer Himmel, derbe Sonne und eine windige Insel. Sonst nichts.
Morgens um 6 in Santa Monica los, im morgenlicht den Küstenhighway nach Norden gefahren und mit einiger Mühe den Fähranleger zu den Channel Islands gefunden. Ein Katamaran voll mit Rucksackabenteurern macht sich auf zu den unbewohnten Inseln, eineinhalb Stunden vor der Küste gelegen.

Rainbow Bridge

Die ältesten menschlichen Spuren Nordamerikas, die gefunden wurden, sind 13.000 Jahre alt und stammen von der Insel Santa Rosa. Bis 1820 konnten die Indianer auf den Inseln ungestört leben, und offensichtlich bekam ihm das recht gut. Es wurden so viele, dass die Inseln sie nicht mehr ernährten. Also sprachen die Götter: schickt Eure Verwandten über den Regenbogen aufs Festland Richtung Santa Barbara. Das taten die Bewohner dankbar und schickten sie diese Felsrampe hoch gradewegs auf den Regenbogen… – Touristen wissen heute, wo sie besser stehen bleiben.

Mit Anlauf auf die Rainbow Bridge

Die Indianer jedoch hatten ihr demographisches Problem gelöst und zum Trost noch eine gute Nachricht von den Göttern erhalten. Weil diese nämlich Erbarmen hatten mit den Tiefgefallenen, verwandelten sie die unglücklichen Seelen in Delfine.

Einwanderer

Nachdem die Spanier die Indianer bis1820 durch Mission und Krankheit von der Insel vertrieben hatten, kamen mit dem Goldrausch Bauern. Die irgendwann ebenfalls verschwanden, und seit 1980 ist der Nationalpark eingerichtet. Es gibt Tier- und Pflanzenarten, die sich hier ungestört und autonom entwickeln konnten, wie dieses Mauerblümchen hier:

und andere, wie dieser hübsche Eisstern, den Schulklassen jäten müssen, weil er Wasser speichert und Salz abgibt und damit den Boden für andere Pflanzen unbewohnbar macht. Er kam auf Schiffen, die ihn nutzten, um Wasser aufzusaugen.

Als ich hoch über dieser Bucht mein Picknick auspacke, grunzen Seelöwen und Pelikane kreisen über mir.

Mein Picknickplatz...

Weil es eine Reihe von Arten gibt, die nur hier beheimatet sind, werden die Inseln auch Galapagos Nordamerikas genannt. Um sie zu schützen, haben die Ranger fremde Wildkatzen, Ratten, Pferde und Esel eliminiert.
Unter anderem heimisch ist der Weißkopfadler, das Wappentier der USA. Der bekam arge Probleme, weil ein Pflanzenschutzmittel in seine Nahrungskette geriet, das seine Eier so dünn machte, dass sie zerbrachen.
Solche Details lassen langsam eine Art Ökobewusstsein in den USA entstehen. Die Ranger haben viele solcher Geschichten parat. Allerdings sind Ranger teuer. Und weil der Krieg auch teuer ist, wurde das Budget der Nationalparks in den USA um 20 Prozent gekürzt.

Abends auf dem Küstenhighway Richtung Norden, San Francisco steht auf den Richtungsschildern.
Highway 1

Die Abendsonne pflastert den Asphalt mit goldenen Platten, die Straße gleitet durch die Hügel, immer wieder Blick aufs Meer. Schließlich Abfahrt in ein kühles Tal: das selbsternannte Künstlerstädtchen Cambria liegt hier und mittendrin ein winziges, urgemütliches Inn: ein Holztisch im Wohnzimmer und eine Familie beim Scrabble-Spielen und eine Flasche kühler Weißwein. Das wird hier eine ruhige Nacht.

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California Dreaming – and reality

26. Mai 2008 · Kommentar schreiben

L.A. Tag 2

Endlich Cabrio-Wetter! Und der California-dream wird wahr. Das wölfchen am Steuer eines weißen Chevy Cabrio bei strahlendem Sonnenschein den Küstenhighway von Santa Monica in die Pacific Palisades hinauf. Steile enge Straßen führen durch reiche, durch blühende Hecken abgeschirmte Anwesen. Gegen die versammelten Luxusmarken der deutsch-japanischen Autoindustrie, die dort oben über den Hügeln von L.A. versammelt sind, stinkt meine Plasteschüssel natürlich ab, aber aufs Gefühl kommt es an. Thomas Mann hat hier im Exil gewohnt und auch die Feuchtwangers und eins muss man sagen: sie hatten es sicher nicht leicht, aber sie hatten eine verdammt gute Aussicht!
Dann weiter an die Strände von Malibu. Das war etwas unspektakulär, weil die Flut allen Strand bedeckte, aber schön war es trotzdem. Jetzt endlich kommt das Buch „Pazifik Exil“ zum Einsatz, dass ich zum Geburtstag bekommen habe, und das mir den passenden Hintergrund zum sonnigen Strandtag gibt – den ersten auf dieser Reise.
Nach Heidelbeeren, Schonkost und Immodium schließlich eine gegrillte Seezunge zum Strandpreis, so lässt sich das aushalten! Bis jetzt ein entspannter Tag, der mit einem Abendspaziergang zum Venice Beach ausklingen sollte, als ich auf dem Strand direkt am Santa Monica Pier im Sonnenuntergang ein großes Feld mit Kreuzen entdecke.

memorial on the beach

Eine sonderbare Szene: Direkt unterhalb von Bubba Gumps Shrimp Company und einem bunten Jahrmarkt feiern Veteranen den Memorial Day. Touristen schlendern durch Reihen mit kleinen weißen Kreuzen, jedes steht für einen gefallenen Soldaten im Irak. 4081 sind es bis heute. Dazwischen auch Tafeln mit den Namen der irakischen Opfer des Krieges. Ich bekomme einen Klos im Hals.
Viele bleiben an den Tafeln stehen, auf denen jeder Gefallene mit Namen, Alter, Todesdatum und Einheit aufgeführt ist. Einige Kreuze haben Namensschilder, kleine Nachrichten und Blumen angeheftet. Es ist ein trauriger Moment in all dem Trubel. Und die Szene, mit der mich L.A. verabschiedet. Morgen in aller Frühe geht es auf dem Küstenhighway weiter nach Norden, zu einem Abstecher auf den Pazifik, zu den Channel Islands.

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Wie mir L.A. den Magen umdrehte!

26. Mai 2008 · 1 Kommentar

L.A. Tag 1

Weil es hier – außer bei Starbucks – keine konsequente Café-zum-Hinsetzen-Kultur gibt, bin ich zum Frühstück extra nach West-Hollywood gefahren, denn dort ist so etwas zu finden. Es heißt zum Glück Champagne (so fängt das Wochenende richtig an) und besticht durch ein cross-over französischer Patisserie (Croissants) und amerikanischer Frühstückskultur (im croissant befinden sich bacon und scrambled eggs – dazu wird Ketchup gereicht). Das hat sehr lecker geschmeckt und danach hatte ich den ganzen Tag Töpfchenalarm.
Das hat mich allerdings nicht abhalten können, meine Kunst-Tour weiter zu verfolgen. Im Pacific Design Zentrum hat das MOCA einen Design-Ableger. Von außen inmitten einer großen Baustelle verbirgt sich drinnen ein schöner Ausstellungsraum. Dann weiter zum LACMA, eine riesige Anlage mit unterschiedlichsten Sammlungen – alle sehr gut. Ich habe mich auf die amerikanische Kunst und die Fotografie beschränkt: das war alles sehr gut, aber das Getty hat doch mehr begeistert.
Um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen auf zum All Amercan Farmers Market. Von drugstores, K-Marts und allerlei Ketten umzingelt eine kleine Einkaufsmeile mit den gängigen Vertretern, dazu allerdings noch der „American Girls Store“ (unglaublich, da kamen kleine Mädchen raus, die zogen riesige Tüten neben sich her (nicht übertrieben!) und waren dabei sehr rosa). Auf einer Bühne wurde, mal wieder, wie übrigens überall, Sex in the City angepriesen. Ein solches landesweites mega-Marketing hab ich selten erlebt. Neben all dem eine kleine Fresszone, wo es tatsächlich etwas ähnliches wie einen kleinen Markt gab, mit unterschiedlichsten Spezialitäten. Das war günstig aber dem Magen hats auch nicht geholfen.
Schließlich auf nach Santa Monica, direkt an den Strand, denn dort befindet sich mein Hostel für diese Nacht: riesig, gut ausgestattet, leider wohl recht laut, aber egal: der Sonnenhintergang (hinter den Wolken) rechtfertigt die kleinen Opfer.
Neben dem Hostel gibt es ein etwas heruntergekommenes Programmkino, das seit den frühen Achtzigern sicher keine Renovierung der Säle erfahren hat. Ein programmkino scheint selbst in der Filmstadt L.A. nicht so häufig vorzukommen, die meisten Kinos zeigen dieselben vier Filme: Narnia, Indiana Jones, Ashton und Cameron Diaz in Las Vegas und noch irgendwas unansehliches. Ich hab mir in der Spätvorstellung „The Visitor“ angesehen, über einen frustrierten Mittelklasse Professor, der per Zufall und gegen seinen Willen Mittelpunkt eines Abschiebedramas wird. Das war sicher die beste Alternative gestern Abend ☺

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Getty (on the) rocks

24. Mai 2008 · 3 Kommentare

Der Highway führt über atemberaubende Pässe aus der Wüste. Ich bin fit, denn selbst in Joshua Tree gibt es einen Starbucks mit Drive In und lecker Capuccino: man mag es nicht für möglich halten. Kahle Felszüge wechseln mit kargen Tälern, durch die der Wind schneist und in denen Kakteen und Telefonmasten die einzige Erhebung sind. Wo die Böen am heftigsten sind, stehen Windräder in Reih und Glied. Dann die ersten Siedlungen, das Navi leitet mich zielsicher und fast ohne Stau quer durch die Freeways von L.A. zu meinem ersten Ziel:

Nämlich ein weiterer Höhepunkt meiner Kunst-Tour! Ein Tag im Getty Center.

Weil man sowieso nicht alles schafft habe ich auf die Gemälde größtenteils verzichtet und mir die grandios dekadenten Möbel aus französischen Adelshäusern von 1660-1800 angesehen. Wunderbares Kunsthandwerk, feinste Hölzer und Intarsien! Da war noch einiges für meine Wohnung dabei! *Scherz*
Höhepunkt aber: die Fotoausstellungen. Gleich als erstes begrüßt mich eine Collage von David Hockney, die genau das zeigt, was ich grade aus dem Auto gesehen hatte!

Dann zwei Sonderausstellungen – für zwei deutsche Künstler. Einmal die Industriearchitektonischen Fotoserien von Bernd und Hilla Becher, die den Ruhrpott und Westfalen gefühlt an den Pazifik katapultierten.

Und zum anderen die wunderbaren Portraits von August Sander, der vorhatte, die Gesichter des 20. Jahrhunderts auf fast ethnologische Weise zu erfassen. Unglaublich feine Charakterisierungen von Menschen und Berufsgruppen; und auch wenn die meisten Fotos aus den 20er Jahren sind und sich die Mode geändert hat, viele von den Bankern, Putzfrauen, Portiers oder Anwälten würden heute wieder so aussehen. Das war wirklich beeindruckend!
Hier ein Portrait von drei jungen Bauern, auf dem Weg zum Tea-Dance am Sonntag. Wenige Monate, bevor der erste Weltkrieg ausbricht. Man merkt der Melancholie im Foto förmlich an, dass da irgendwas in der Luft ist.

Eine Ausstellung über California Videokunst bestätigt eher meine Vorurteile gegenüber der Videokunst. Man sieht einfach sehr schnell, wenn das Handwerk nicht stimmt, und das tut es meistens leider nicht. Der Effekt macht nicht mehr alles weg, seit wir uns an MTV schon satt gesehen haben.
Schließlich noch ein Abstecher zu den Monets und van Goghs. Wie Pop-Art wirken die inzwischen, so vertraut, so oft gesehen, und doch natürlich sehr sehr schön. Hier hängen sie völlig unprätentiös an der Wand, Millionenwerte, die Touristen schlurfen in Trainingsjacken daran vorbei, kaum einer macht ein Foto.
Nach den Ausstellungen im Whitney und Guggenheim in New York also ein weiterer Tag für die Kunst: hoch über Los Angeles im Getty Center. In einer grandios gelegenen Anlage, in hellem Stein auf den Fels gemeißelt vom Architekten Richard Meier. Abends kam sogar die Sonne durch, so dass der Blick klar wurde auf eine Stadt die nirgends anfängt und nirgends endet, Los Angeles am Pazifik.

Die Fotos heute übrigens ausnahmsweise aus dem Netz. Hatte keine Lust, die Kamera durchs Museum zu tragen.

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Die Wüste ist nass

24. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Nach kurzer Fahrt liegt alles Bewohnbare hinter mir und es wird so trocken, dass ich dauernd zur Wasserflasche auf dem Beifahrersitz greife. Grade noch waldige Täler durchquert und kleine Oasen passiert, die am Rande eines riesigen Salzsees heruntergekommene Siedlungen und Trailerparks umrahmen.
Die Fahrt geht durch den nördlichen Teil der Colorado-Wüste, die sich bis nach Mexiko hinein zieht. Armeehubschrauber machen Trainingsflüge über mir. Ich fahre durch ein kleines Nest namens Mecca, an einer Tankstelle ärgere ich mich, dass ich nie Spanisch gelernt habe.
Die kahlen Berge und schroffen Krater wirken, als sei hier eigentlich alles zu Ende. Das einzige, was auf ein Ziel hin deutet, sind der Truck, der mir irgendwann entgegenkommt, und der frisch auf die Straße gestrichene Mittelstreifen.
Schließlich öffnen sich die Bergketten in ein riesiges kahles Tal. Der südliche Teil des Joshua Tree Nationalparks. Niedrige Kakteen und vom Wind gezauste Sträucher bedecken den Boden. Vor zwei Wochen haben sie noch geblüht, jetzt zeigen sie gelbe Früchte. Im Sommer herrschen hier mehr als 45 Grad. Dann verlieren selbst die hartnäckigsten Sträucher ihre Blätter, bis auf ein paar wenige, dunkle und zähe, die den Pflanzen dann noch reichen. Vereinzelt ragen die Ocotillos störrisch in die Gegend, größere Sträucher mit grade noch roten Blüten. In der Mitte des Parks der Übergang von der kahlen Colorado Wüste zur savanneartigen Mojave-Wüste. Hier die Joshua Trees, die in großen Feldern zwischen riesigen Gneisbrocken stehen, die Wind und Wasser langsam aus der Fläche herausgefräst haben. Am Abend den Sonnenuntergang vom Keys View aus gesehen – der ganze Tag war bewölkt, es hat geregnet, dafür zeigte sich der Himmel schließlich in feinem aprikot und kleidete die unwirtlichen Felsstränge, die sich durch den Park ziehen, in warmes Abendlicht.
Dass die Wüste alles andere als langweilig ist, erkennt man unter anderem daran, dass ich 184 (!) Wüstenfotos gemacht habe. Von denen ich Euch nicht alle zumuten möchte, wenigstens aber diese Postkartenmotive:

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