Der Highway führt über atemberaubende Pässe aus der Wüste. Ich bin fit, denn selbst in Joshua Tree gibt es einen Starbucks mit Drive In und lecker Capuccino: man mag es nicht für möglich halten. Kahle Felszüge wechseln mit kargen Tälern, durch die der Wind schneist und in denen Kakteen und Telefonmasten die einzige Erhebung sind. Wo die Böen am heftigsten sind, stehen Windräder in Reih und Glied. Dann die ersten Siedlungen, das Navi leitet mich zielsicher und fast ohne Stau quer durch die Freeways von L.A. zu meinem ersten Ziel:
Nämlich ein weiterer Höhepunkt meiner Kunst-Tour! Ein Tag im Getty Center.
Weil man sowieso nicht alles schafft habe ich auf die Gemälde größtenteils verzichtet und mir die grandios dekadenten Möbel aus französischen Adelshäusern von 1660-1800 angesehen. Wunderbares Kunsthandwerk, feinste Hölzer und Intarsien! Da war noch einiges für meine Wohnung dabei! *Scherz*
Höhepunkt aber: die Fotoausstellungen. Gleich als erstes begrüßt mich eine Collage von David Hockney, die genau das zeigt, was ich grade aus dem Auto gesehen hatte!
Dann zwei Sonderausstellungen – für zwei deutsche Künstler. Einmal die Industriearchitektonischen Fotoserien von Bernd und Hilla Becher, die den Ruhrpott und Westfalen gefühlt an den Pazifik katapultierten.
Und zum anderen die wunderbaren Portraits von August Sander, der vorhatte, die Gesichter des 20. Jahrhunderts auf fast ethnologische Weise zu erfassen. Unglaublich feine Charakterisierungen von Menschen und Berufsgruppen; und auch wenn die meisten Fotos aus den 20er Jahren sind und sich die Mode geändert hat, viele von den Bankern, Putzfrauen, Portiers oder Anwälten würden heute wieder so aussehen. Das war wirklich beeindruckend!
Hier ein Portrait von drei jungen Bauern, auf dem Weg zum Tea-Dance am Sonntag. Wenige Monate, bevor der erste Weltkrieg ausbricht. Man merkt der Melancholie im Foto förmlich an, dass da irgendwas in der Luft ist.
Eine Ausstellung über California Videokunst bestätigt eher meine Vorurteile gegenüber der Videokunst. Man sieht einfach sehr schnell, wenn das Handwerk nicht stimmt, und das tut es meistens leider nicht. Der Effekt macht nicht mehr alles weg, seit wir uns an MTV schon satt gesehen haben.
Schließlich noch ein Abstecher zu den Monets und van Goghs. Wie Pop-Art wirken die inzwischen, so vertraut, so oft gesehen, und doch natürlich sehr sehr schön. Hier hängen sie völlig unprätentiös an der Wand, Millionenwerte, die Touristen schlurfen in Trainingsjacken daran vorbei, kaum einer macht ein Foto.
Nach den Ausstellungen im Whitney und Guggenheim in New York also ein weiterer Tag für die Kunst: hoch über Los Angeles im Getty Center. In einer grandios gelegenen Anlage, in hellem Stein auf den Fels gemeißelt vom Architekten Richard Meier. Abends kam sogar die Sonne durch, so dass der Blick klar wurde auf eine Stadt die nirgends anfängt und nirgends endet, Los Angeles am Pazifik.
Die Fotos heute übrigens ausnahmsweise aus dem Netz. Hatte keine Lust, die Kamera durchs Museum zu tragen.











