Wolf-Christian’s Reisetagebuch

Trail of a Preacher Man

29. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Heute ein kleiner Ausflug in die katholische Geschichte Kaliforniens, die ursprünglich mehr damit zu tun hat, sich Land unter den Nagel zu reißen.
Als die Spanier Mitte des 18. Jahrhunderts mitbekamen, dass sich die Russen und Engländer langsam an der Westküste zu schaffen machten, beschlossen sie, die Sache systematisch für sich zu entscheiden. Sie schickten Pater Junipero Serra in die Spur. Er sollte Missionen gründen, um das spanische Einflussgebiet nach Norden zu sichern. Seit 1769 entstanden so 21 Missionen zwischen San Diego im Süden und San Francisco im Norden. 1772 entstand diejenige in San Luis Obispo. Die Missionen waren oft der Grund dafür, dass aus verschlafenen Nestern prosperierende Orte wurden. So auch in San Luis de Obispo. Die Priester hatten es nicht immer leicht mit den Indianern – weshalb sollten sie auch. Sie lebten fröhlich seit über 10.000 Jahren am selben Ort, und es war ihnen nicht unmittelbar einsichtig, weshalb sie sich an neue Sitten gewöhnen sollten. Fußnote: 1822 wurde Mexiko unabhängig von Spanien und Kalifornien gehörte zu Mexiko. Mexiko hatte kein Geld für Missionen und verkaufte San Luis de Obispo. 1848 wechselte Kalifornien die Seiten (zu den USA) und die gaben der Kirche das meiste Land zurück. Heute wird die Mission renoviert, es gibt ein unübersichtliches Museum und einen Garten mit wunderbar duftenden Blumen.

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California 1 North

29. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Es gibt nichts, was ein Amerikaner nicht übertrumpfen kann. Zum Beispiel Schloß Neuschwanstein. Hügel, Wahnsinnige und mächtig Geld gibt’s nicht nur in Bayern. Der Erbe, Verleger, mediale Tausendsassa und Politiker W.R. Hearst fand Gefallen daran, sich vom zuständigen mexikanischen Don massenhaft Land am Pazifik zu kaufen und eine Architektin mit einem Haus zu beauftragen. Das Haus wurde zu einer Villa und hatte schließlich über 140 Zimmer und 36 Badezimmer und einige Pools. Die Zimmer sind zum Teil unanständig eklektisch zusammengewürfelte Säle aristokratischer Anmutung. Und wie Neuschwanstein wurde auch dieses Schloss nicht fertig.

Zum Anwesen gehört auch ein wunderschönes Kliff, das vom Strand aus zu besteigen ist. An dessen Spitze schaut man über die Bucht, wilde Blumen blühen in allen Farben, 40 meter tiefer gräbt die Brandung Höhlen ins Gestein – ein herrlicher Ort!

Etwas weiter nördlich eine der wenigen Brutstätten der Elefanten-Seelöwen.

Keine Angst, die leben noch. Sie führen nur ein eher träges Leben, wenn sie an Land sind. Sie schlafen, kuscheln, oder beschaufeln sich mit Sand und machen dabei einen äußerst friedfertigen Eindruck. Wahrscheinlich ruhen sie sich für ihre monatelangen Touren durchs Meers aus, die sie übrigens allein und nicht in der Gruppe verbringen.

Danach die ersten Kilometer der wirklich schönsten Straße, die ich Kenne, die alte zweispurige Route 1. Man möchte hunderte Fotos machen und weiß gleichzeitig, dass keines die Schönheit der Landschaft abbilden wird. Der würzige Duft der Natur, die steilen Berge, die ins dunkelblaue Meer stürzen, jede Kurve offenbart einen neuen Höhepunkt und so jagt man von Blick zu Blick und kann sich gar nicht satt sehen. Ich möchte, dass sich jedes Panorama in mein Gedächtnis brennt, aber nach jeder Kurve ist das Bild ist schon ersetzt durch ein neues, genauso wunderbares.

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Expedition zur Rainbow-Bridge

29. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Heute habe ich die Stille gehört. Kein Grundrauschen, kein Gedudel, kein Geschrei. Nur der Wind und ein paar Vögel. Tiefblauer Himmel, derbe Sonne und eine windige Insel. Sonst nichts.
Morgens um 6 in Santa Monica los, im morgenlicht den Küstenhighway nach Norden gefahren und mit einiger Mühe den Fähranleger zu den Channel Islands gefunden. Ein Katamaran voll mit Rucksackabenteurern macht sich auf zu den unbewohnten Inseln, eineinhalb Stunden vor der Küste gelegen.

Rainbow Bridge

Die ältesten menschlichen Spuren Nordamerikas, die gefunden wurden, sind 13.000 Jahre alt und stammen von der Insel Santa Rosa. Bis 1820 konnten die Indianer auf den Inseln ungestört leben, und offensichtlich bekam ihm das recht gut. Es wurden so viele, dass die Inseln sie nicht mehr ernährten. Also sprachen die Götter: schickt Eure Verwandten über den Regenbogen aufs Festland Richtung Santa Barbara. Das taten die Bewohner dankbar und schickten sie diese Felsrampe hoch gradewegs auf den Regenbogen… – Touristen wissen heute, wo sie besser stehen bleiben.

Mit Anlauf auf die Rainbow Bridge

Die Indianer jedoch hatten ihr demographisches Problem gelöst und zum Trost noch eine gute Nachricht von den Göttern erhalten. Weil diese nämlich Erbarmen hatten mit den Tiefgefallenen, verwandelten sie die unglücklichen Seelen in Delfine.

Einwanderer

Nachdem die Spanier die Indianer bis1820 durch Mission und Krankheit von der Insel vertrieben hatten, kamen mit dem Goldrausch Bauern. Die irgendwann ebenfalls verschwanden, und seit 1980 ist der Nationalpark eingerichtet. Es gibt Tier- und Pflanzenarten, die sich hier ungestört und autonom entwickeln konnten, wie dieses Mauerblümchen hier:

und andere, wie dieser hübsche Eisstern, den Schulklassen jäten müssen, weil er Wasser speichert und Salz abgibt und damit den Boden für andere Pflanzen unbewohnbar macht. Er kam auf Schiffen, die ihn nutzten, um Wasser aufzusaugen.

Als ich hoch über dieser Bucht mein Picknick auspacke, grunzen Seelöwen und Pelikane kreisen über mir.

Mein Picknickplatz...

Weil es eine Reihe von Arten gibt, die nur hier beheimatet sind, werden die Inseln auch Galapagos Nordamerikas genannt. Um sie zu schützen, haben die Ranger fremde Wildkatzen, Ratten, Pferde und Esel eliminiert.
Unter anderem heimisch ist der Weißkopfadler, das Wappentier der USA. Der bekam arge Probleme, weil ein Pflanzenschutzmittel in seine Nahrungskette geriet, das seine Eier so dünn machte, dass sie zerbrachen.
Solche Details lassen langsam eine Art Ökobewusstsein in den USA entstehen. Die Ranger haben viele solcher Geschichten parat. Allerdings sind Ranger teuer. Und weil der Krieg auch teuer ist, wurde das Budget der Nationalparks in den USA um 20 Prozent gekürzt.

Abends auf dem Küstenhighway Richtung Norden, San Francisco steht auf den Richtungsschildern.
Highway 1

Die Abendsonne pflastert den Asphalt mit goldenen Platten, die Straße gleitet durch die Hügel, immer wieder Blick aufs Meer. Schließlich Abfahrt in ein kühles Tal: das selbsternannte Künstlerstädtchen Cambria liegt hier und mittendrin ein winziges, urgemütliches Inn: ein Holztisch im Wohnzimmer und eine Familie beim Scrabble-Spielen und eine Flasche kühler Weißwein. Das wird hier eine ruhige Nacht.

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