Ich habe den Kulturschock hinter mir (Santa Cruz). Ich bemerke nun schleichende Assimilation. Resistance is futile.
Ich fahre immer leicht unter dem Speedlimit und bleibe entspannt dabei. Ich bewege meinen SUV mit gefühlten 85 Litern auf 10 Kilometern über die Straße, lasse beim Einsteigen schon an, damit die Klimaanlage auf Hochdruck vorkühlt, während ich noch einlade.
Ich spüre instinktiv, an welcher Straßenecke der nächste Starbucks ist. Ich konsumiere dort Mocha Frapuccino. Ich weiß, dass ich zunächst die Größe des Trinkgefäßes bestimme und mir erst dann ein Produkt wünsche. Ich frage erst gar nicht nach dem Weg, wenn ich den Eindruck habe, dass die Person keinen Hochschulabschluß in Geographie hat. Ich ärgere mich auch nicht darüber.
I smile even if I’d like to punch someone in the face. Preisschilder dienen nur der Orientierung – auf der Rechnung steht immer etwas anderes, auch ohne Steuern. Ich kann zwar ohne Mobiltelefon, nicht aber ohne Kreditkarte überleben. Ich frage nicht mehr nach dem Sinn von Regeln.
Ich bin also in Boulder angekommen, einer Unistadt am Fuße der Rockies. Die Berge erheben sich abrupt aus der Ebene. Keine Hügellandschaft, es geht gleich in medias res. Überall gibt es im Moment nur ein Thema: die letzten Vorwahlen und die Frage, wann Hillary aufgibt. „Anyone but Hillary“ lese ich auf eine Autoaufkleber. Jeder geht davon aus, dass es Obama wird. Die Frau am Mietwagenschalter ist genervt. Seit zwei Jahren sei inzwischen Wahlkampf. Aber es gehe doch jetzt erst richtig los! Oh nein, sie könne es nicht mehr hören. Same old thing again and again.

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Mit Tag(s) versehen: Boulder
Denn ich fahre jetzt amerikanisch. Einen funkelroten Toyota SUV mit Vierradantrieb und V6 Motor. Damit schnurre ich durch Denver wie J.R. durch Texas.
Heute früh jedoch erstmal zweieinhalb Stunden quer über Nevada und Utah hinweg nach Colorado geflogen, über schneebedeckte Rockies. Im Cockpit zwei Frauen, und was soll ich sagen, der Flug war butterweich. Das Flugzeug der Airline „Frontier“ hieß Grizwald, auf dem Ruder war ein Bär abgebildet. Alles in allem also perfekte Einstimmung für die dritte Etappe der Reise: Nach dem städtischen Nordosten und der Küste Kaliforniens jetzt geht es in die Berge, in die Nationalparks.
Start der Tour in Denver, in den Plains am Fuße der Rockies. Mitte des 19 Jahrhunderts standen hier nur ein paar Hütten, jetzt ist es eine reiche Millionenstadt – eine Meile über dem Meeresspiegel. Die Luft ist trocken und trotzdem schwül. Sehr sauber, sehr weitläufig, flach und sehr sehr freundlich. Die Menschen sagen „Howdy“, wenn sie sich begegnen, sie tragen Cowboyhüte, für weiße Tennissocken schämt sich hier niemand. Man trinkt Bier – gutes übrigens, es gibt eine tolle Kultur von Kleinbrauereien. Abends hört man aus vielen Kneipen Live-Musik, an einer Straßenecke posierte eine junge Band für eine Fotosession, an einer anderen gabs eine handfeste Openairparty – und das Sonntag abends.
Ich stolperte als erstes in eine Fußgängerzone (!), Busse fahren in diesem Bereich gratis und im Minutentakt (!!), mehrere Straßenbahnlinien ziehen durch die Straßen zwischen den Wolkenkratzern, die im Rockypanorama enden. Das Museum of Colorado History zeigt mit gradioser weil multimedial anschaulicher Ausstellungstechnik von 1000 Jahre alten Indianertöpfereien bis zum original Planwagen der Siedler alles über die wechselvolle Geschichte des Staates.
Mein Hostel ist in einem heruntergekommenen, lagerartigen Gebäude untergebracht, es heißt sonderbarerweise Melbourne Inn und gehört einem unsichtbaren 90jährigen. Regel hier nun wieder: Schuhe und Socken unbedingt anbehalten.
Morgen gibt’s noch ein paar Fotos – und dann geht’s, nach kurzem Zwischenstopp in Boulder, auf in den Rocky Mountains National Park. Ich weiß nicht, wie dort die Internetversorgung ist, vielleicht dauert es ein paar Tage bis zum nächsten Eintrag. Bis dann!
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Skyscraper oder Präriewarehouse – dazwischen geht nichts
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Kunstmuseum
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Colorado Cowboy Country
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Mit Tag(s) versehen: Denver
Dieser Samstag hatte es in sich. Chris und ich haben San Francisco dem NY-Test unterzogen. Start morgens: obligatorische Fahrt mit dem Cablecar. Dann zum Straßenfest auf der Union Street. Wie die meisten Straßenfeste: eine einzige Fressmeile. Allerdings mit superleckeren Butterfudgecaramel-überzogenen Sonnenblumenkernen. Lustig übrigens, wie die Amerikaner hier Bier trinken: in abgezäunten Sonderbereichen mitten im Festbetrieb – damit es keiner sieht. Dann auf ins Castro. Sensationelle Eiskrem gab es da zu schleckern, in einer kleinen Eisbar namens naia. Mousse au chocolat, die halbgefroren auf der Zunge schmilzt, da zehre ich immer noch von.
Weil die Kritiken wirklich unterirdisch waren, haben wir uns Sex and the City GESPART und stattdessen zum Wohle von Samantha drei Runden Cosmopolitan im Moby Dick genossen (Finger weg vom Alkohol!), der ultimativen Urbar im Kiez. Daraus resultierte die passende Stimmung für das neue Abenteuer von Indiana Jones!!
Im Castro-Kino volle Reihen, aufwendiger Stuck und Schmuck im Saal, und bevor sich der Vorhang hebt, spielt ein Organist zur Einstimmung die Filmthemen vor. Unter der Decke schimmert ein riesiger Muschelartiger Kronleuchter in tiefem rot, bevor dann der Film losgeht: herrlich in 50er Jahre Ästhetik gehalten, mit Verfolgungsjagd, irrwitziger Story und einer gehörigen Portion Selbstironie. Szenenapplaus.
Die Kneipentour beginnt dann früh, weil die Sperrstunde naht. Deswegen gleich ins Trucks, seit kurzem beliebteste Bar auf der Folsom Street, wo sich bei schriller Mucke schwule Cowboys drängten (so waren sie jedenfalls angezogen) und wo trotz scharfer Sporen noch Wahlkampf tobte: frei nach Ströbeles Kneipenwahlkampf schüttelte uns plötzlich irgendein Senatskandidat die Hände.
Zeit für Szenenwechsel und in einen Keller downtown, wo auf einer Bühne zwei Pianisten miteinander gegeneinander Schlager der Rockgeschichte brüllten, unterstützt von Horden betrunkener Touristen und Bachelorgesellschaften. Bombenstimmung. Danach noch in einen Club, der allerdings schnell leer war, weil in Kalifornien ab 1:30h kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird.
So geht man entweder noch Kaffee trinken oder das Nachtleben endet zivilisiert im Bett. Das war auch gut so, denn wie sich herausstellte, blieben mir noch 3 Stunden Schlaf bis ein Mitschläfer aufgeregt aus dem Zimmer stürzte und noch eine weitere Stunde, bis ich selbst aufstehen musste, um zum Flughafen zu kommen.
Tja, und das war mein Kalifornien-Abenteuer: zum Abschluss mit einer gehörigen Portion Lebensgefühl der tollsten Stadt der USA – nach New York. Hier komme ich bestimmt und gerne wieder her!
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obligatorisch
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Kunst im Schaufenster wie jüngst im Guggenheim
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Obama: Kandidat der Herzen
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Das Lieblingsmenü der Amerikaner
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Chris und Wolf
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Biergenuss hinterm Zaun
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Sieht man, dass es ziemlich steil ist??
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Paradise
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Mit Tag(s) versehen: San Francisco