Wolf-Christian’s Reisetagebuch

Ab heute bin ich Umweltsau!

2. Juni 2008 · Kommentar schreiben

Denn ich fahre jetzt amerikanisch. Einen funkelroten Toyota SUV mit Vierradantrieb und V6 Motor. Damit schnurre ich durch Denver wie J.R. durch Texas.
Heute früh jedoch erstmal zweieinhalb Stunden quer über Nevada und Utah hinweg nach Colorado geflogen, über schneebedeckte Rockies. Im Cockpit zwei Frauen, und was soll ich sagen, der Flug war butterweich. Das Flugzeug der Airline „Frontier“ hieß Grizwald, auf dem Ruder war ein Bär abgebildet. Alles in allem also perfekte Einstimmung für die dritte Etappe der Reise: Nach dem städtischen Nordosten und der Küste Kaliforniens jetzt geht es in die Berge, in die Nationalparks.
Start der Tour in Denver, in den Plains am Fuße der Rockies. Mitte des 19 Jahrhunderts standen hier nur ein paar Hütten, jetzt ist es eine reiche Millionenstadt – eine Meile über dem Meeresspiegel. Die Luft ist trocken und trotzdem schwül. Sehr sauber, sehr weitläufig, flach und sehr sehr freundlich. Die Menschen sagen „Howdy“, wenn sie sich begegnen, sie tragen Cowboyhüte, für weiße Tennissocken schämt sich hier niemand. Man trinkt Bier – gutes übrigens, es gibt eine tolle Kultur von Kleinbrauereien. Abends hört man aus vielen Kneipen Live-Musik, an einer Straßenecke posierte eine junge Band für eine Fotosession, an einer anderen gabs eine handfeste Openairparty – und das Sonntag abends.
Ich stolperte als erstes in eine Fußgängerzone (!), Busse fahren in diesem Bereich gratis und im Minutentakt (!!), mehrere Straßenbahnlinien ziehen durch die Straßen zwischen den Wolkenkratzern, die im Rockypanorama enden. Das Museum of Colorado History zeigt mit gradioser weil multimedial anschaulicher Ausstellungstechnik von 1000 Jahre alten Indianertöpfereien bis zum original Planwagen der Siedler alles über die wechselvolle Geschichte des Staates.
Mein Hostel ist in einem heruntergekommenen, lagerartigen Gebäude untergebracht, es heißt sonderbarerweise Melbourne Inn und gehört einem unsichtbaren 90jährigen. Regel hier nun wieder: Schuhe und Socken unbedingt anbehalten.
Morgen gibt’s noch ein paar Fotos – und dann geht’s, nach kurzem Zwischenstopp in Boulder, auf in den Rocky Mountains National Park. Ich weiß nicht, wie dort die Internetversorgung ist, vielleicht dauert es ein paar Tage bis zum nächsten Eintrag. Bis dann!

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