Ich war heute sehr faul, habe mal wieder Wäsche gemacht, mich lange mit meiner Gastmutter Sue unterhalten, bin schließlich etwas durch Victoria gewandert und habe schließlich meinen alten Freund Ray wieder getroffen. Schöne Abendbilder vom kleinen alten Hafen im Zentrum findet Ihr unten. Mit dem Hinweis allerdings, dass trotz Postkartenromantik auch in Kanada die Welt nicht immer ganz perfekt ist. So wurde hier kürzlich das letzte Radiosymphonie-Orchester Nordamerikas eingestellt. Es gehörte seit 1938 zur CBC (etwa die kanadische, winzige BBC), bestand aus 35 freien Mitarbeitern (winzig) und war in Vancouver ansässig. Nicht nur, dass das einst anständige zweite CBC Radioprogramm aus einem Klassikprogramm zu einem Klassik-Jazz-EasyListening, also einem kanadischen kommerziellen Softie-Funk á la Klassikradio degradiert wurde. Nun also noch das Orchester weg.
Überhaupt scheint der einzige öffentlich-rechtliche Sender, der das riesige Land seit Jahrzehnten kulturell über tausende Kilometer sprichwörtlich zusammenhält, etwas zu trudeln. Die Meldung, der Sender habe die Erkennungs-Melodie der nationalen Hockey-Show an die private Konkurrrenz verkauft, schaffte es auf die Titel der nationalen Printnachrichtenmagazine, wurde sogar in den USA wahrgenommen (das will was heißen). Es wäre so, als würde „ran“ von SAT 1 wiederbelebt mit der Melodie des ZDF aktuellen Sportstudios. So gibt es Dinge, die gibts gar nicht.
Was ich wiederholt gehört habe: für über 80 Prozent der Kanadier ist das Thema „Umwelt“ die wichtigste politische Aufgabe. Das ist überraschend. Dazu passt die Meldung, dass Autoverkäufe seit den gestiegenen Benzinpreisen zurückgehen, Honda allerdings vermehrt sparsame Kleinwagen absetzt und Toyota eine Hybridversion des Camry anbieten will: heute der (ansonsten schlecht informierten) Lokalpresse entnommen.
Außerdem: allgemeine Verwunderung darüber, wem denn nun der fünfte seit zwei Jahren körperlos an Land gespülte Fuß gehören mag. Die Polizei steht vor einem Rätsel, da alle fünf Füße in Turnschuhen steckten, und scheinbar auf natürliche Art und Weise von ihren Besitzern abhanden kamen. Diese Meldung brachte es bin ins Spiegel Online, wobei der Autor dort vom „beschaulichen Britisch Kolumbien“ sprach, was für die betroffene Gegend um Vancouver in etwa so falsch gedichtet ist wie: im „beschaulichen Küstenstädtchen Hamburg in Norddeutschland…“
Aber damit der Spiegel beschauliche Klicks bekommt, schreibt er ja auch gerne beschauliche Geschichten.
Morgen geht’s um „150 Jahre Britisch Kolumbien“, bis dann gute Nacht!
- Ich bin in Victoria
- Das Provinzparlament von B.C.
- „The Empress“ – die britische Kolonialversion des „Adlon“…
- …in der Abendsonne am alten Hafen.




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