Heute war ich mal Tourist. Ich habe mich auf einen Cabrio-Doppeldeckerbus gesetzt und eine Stadtrundfahrt mitgemacht. Einmal, weil ich wissen wollte, was ich noch nicht weiß. Und dann, weil ein Freund von mir der Tourguide war. Jetzt weiß ich genau, wo 1843 das Fort Victoria stand und wie das das grüne Kupferdach auf dem Parlamentsgebäude künstlich express-oxidiert wurde, indem man nämlich Pferdepiss drüberlaufen ließ – und ähnliches Partywissen mehr. Zum Beispiel über den Architekten Francis Rattenbury, der das Parlamentsgebäude bauen durfte. Den Auftrag erschlich er sich mit einer gefälschten Biographie und einem geklauten Design. Das nahm ihm jedoch niemand übel, weil alle sein Gebäude mochten. Übel nahm man ihm dagegen, dass er seine Frau sitzen ließ, um seine Mätresse zu heiraten. Er wurde nach England verjagt. Doch bändelte seine Mätresse mit ihrem Chauffeur an, der aus Eifersucht den falschen Architekten erschoss. So liegen Ruhm und Elend offenbar nah beieinander.
Es ist etwas kalt heute, dennoch spektakuläre Aussicht auf die Olympic Mountains in Washington State, die wie eine Sahnehaube über den Straßen von Victoria tronen. Etwas nördlich der Innenstadt liegen auf einem Hügel die Ortsteile Oak Bay und Uplands, wo riesige Villen im britischen Un-Stil gebaut sind. Die Uplands schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Gated Community. Früher war die Regel: Du darfst hier bauen, solange ein Profi Deinen Garten in Schuss hält und Dein Haus mindestens 12.000 Dollar wert ist. So entstand ein wunderbares Viertel, dessen Gemäuer inzwischen Millionen wert sind. Mit Seeblick selbstverständlich. Ob die Dollar-Regel noch steht, weiß ich leider nicht ☺
Je näher meine Abreise rückt, desto dichter drängen sich Treffen mit alten Freunden. Gestern war Ursula zu Besuch, die mit mir bei Sue Hausgast war. Mit dabei ihre Mutter Edith, in Fürstenwalde bei Berlin den Krieg überlebt und danach nach Kanada ausgewandert.
Vorgestern Geburtstagsfeier bei Steve mit einer sonderbaren Spezialität: Bacon-Wodka, ein übles Gesöff, das angeblich grade wahnsinnig hipp ist. Hergestellt folgendermaßen: Gebackene Baconstreifen eine Woche in Absolut einwirken lassen. Mit dem fettig goldenen Abguss fertigt der schmerzfreie Genießer hernach eine Bloody Mary. Spargel, Ei und Sellerie dazu… und ich bleibe gerne beim Gin&Tonic.
Heute Abend geht’s zu einem der diversen Vietnamesen, hierzulande boshaft als FOBs betitelt (Frech off the boat). Darauf ein empörtes „also-entschuldige-mal!!“ – und bis morgen!
- Bacon Vodka
- Partygesellschaft
- Noch so eine Spezialität. Sie trinken tatsächlich Tomatensaft mit Muschelgeschmack.
- Steve und James. Vorher…
- … nachher.
- Tourguide Nathan in Aktion
- Olympic Mountains im Morgentau






