Ich habe den Kulturschock hinter mir (Santa Cruz). Ich bemerke nun schleichende Assimilation. Resistance is futile.
Ich fahre immer leicht unter dem Speedlimit und bleibe entspannt dabei. Ich bewege meinen SUV mit gefühlten 85 Litern auf 10 Kilometern über die Straße, lasse beim Einsteigen schon an, damit die Klimaanlage auf Hochdruck vorkühlt, während ich noch einlade.
Ich spüre instinktiv, an welcher Straßenecke der nächste Starbucks ist. Ich konsumiere dort Mocha Frapuccino. Ich weiß, dass ich zunächst die Größe des Trinkgefäßes bestimme und mir erst dann ein Produkt wünsche. Ich frage erst gar nicht nach dem Weg, wenn ich den Eindruck habe, dass die Person keinen Hochschulabschluß in Geographie hat. Ich ärgere mich auch nicht darüber.
I smile even if I’d like to punch someone in the face. Preisschilder dienen nur der Orientierung – auf der Rechnung steht immer etwas anderes, auch ohne Steuern. Ich kann zwar ohne Mobiltelefon, nicht aber ohne Kreditkarte überleben. Ich frage nicht mehr nach dem Sinn von Regeln.
Ich bin also in Boulder angekommen, einer Unistadt am Fuße der Rockies. Die Berge erheben sich abrupt aus der Ebene. Keine Hügellandschaft, es geht gleich in medias res. Überall gibt es im Moment nur ein Thema: die letzten Vorwahlen und die Frage, wann Hillary aufgibt. „Anyone but Hillary“ lese ich auf eine Autoaufkleber. Jeder geht davon aus, dass es Obama wird. Die Frau am Mietwagenschalter ist genervt. Seit zwei Jahren sei inzwischen Wahlkampf. Aber es gehe doch jetzt erst richtig los! Oh nein, sie könne es nicht mehr hören. Same old thing again and again.
