Wolf-Christian’s Reisetagebuch

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Expedition zur Rainbow-Bridge

29. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Heute habe ich die Stille gehört. Kein Grundrauschen, kein Gedudel, kein Geschrei. Nur der Wind und ein paar Vögel. Tiefblauer Himmel, derbe Sonne und eine windige Insel. Sonst nichts.
Morgens um 6 in Santa Monica los, im morgenlicht den Küstenhighway nach Norden gefahren und mit einiger Mühe den Fähranleger zu den Channel Islands gefunden. Ein Katamaran voll mit Rucksackabenteurern macht sich auf zu den unbewohnten Inseln, eineinhalb Stunden vor der Küste gelegen.

Rainbow Bridge

Die ältesten menschlichen Spuren Nordamerikas, die gefunden wurden, sind 13.000 Jahre alt und stammen von der Insel Santa Rosa. Bis 1820 konnten die Indianer auf den Inseln ungestört leben, und offensichtlich bekam ihm das recht gut. Es wurden so viele, dass die Inseln sie nicht mehr ernährten. Also sprachen die Götter: schickt Eure Verwandten über den Regenbogen aufs Festland Richtung Santa Barbara. Das taten die Bewohner dankbar und schickten sie diese Felsrampe hoch gradewegs auf den Regenbogen… – Touristen wissen heute, wo sie besser stehen bleiben.

Mit Anlauf auf die Rainbow Bridge

Die Indianer jedoch hatten ihr demographisches Problem gelöst und zum Trost noch eine gute Nachricht von den Göttern erhalten. Weil diese nämlich Erbarmen hatten mit den Tiefgefallenen, verwandelten sie die unglücklichen Seelen in Delfine.

Einwanderer

Nachdem die Spanier die Indianer bis1820 durch Mission und Krankheit von der Insel vertrieben hatten, kamen mit dem Goldrausch Bauern. Die irgendwann ebenfalls verschwanden, und seit 1980 ist der Nationalpark eingerichtet. Es gibt Tier- und Pflanzenarten, die sich hier ungestört und autonom entwickeln konnten, wie dieses Mauerblümchen hier:

und andere, wie dieser hübsche Eisstern, den Schulklassen jäten müssen, weil er Wasser speichert und Salz abgibt und damit den Boden für andere Pflanzen unbewohnbar macht. Er kam auf Schiffen, die ihn nutzten, um Wasser aufzusaugen.

Als ich hoch über dieser Bucht mein Picknick auspacke, grunzen Seelöwen und Pelikane kreisen über mir.

Mein Picknickplatz...

Weil es eine Reihe von Arten gibt, die nur hier beheimatet sind, werden die Inseln auch Galapagos Nordamerikas genannt. Um sie zu schützen, haben die Ranger fremde Wildkatzen, Ratten, Pferde und Esel eliminiert.
Unter anderem heimisch ist der Weißkopfadler, das Wappentier der USA. Der bekam arge Probleme, weil ein Pflanzenschutzmittel in seine Nahrungskette geriet, das seine Eier so dünn machte, dass sie zerbrachen.
Solche Details lassen langsam eine Art Ökobewusstsein in den USA entstehen. Die Ranger haben viele solcher Geschichten parat. Allerdings sind Ranger teuer. Und weil der Krieg auch teuer ist, wurde das Budget der Nationalparks in den USA um 20 Prozent gekürzt.

Abends auf dem Küstenhighway Richtung Norden, San Francisco steht auf den Richtungsschildern.
Highway 1

Die Abendsonne pflastert den Asphalt mit goldenen Platten, die Straße gleitet durch die Hügel, immer wieder Blick aufs Meer. Schließlich Abfahrt in ein kühles Tal: das selbsternannte Künstlerstädtchen Cambria liegt hier und mittendrin ein winziges, urgemütliches Inn: ein Holztisch im Wohnzimmer und eine Familie beim Scrabble-Spielen und eine Flasche kühler Weißwein. Das wird hier eine ruhige Nacht.

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