Wolf-Christian’s Reisetagebuch

Mit den Tags ‘Glacier Nationalpark’ versehene Einträge

Endlich Fotos!

15. Juni 2008 · Kommentar schreiben

Liebe Reiseverfolger, ich habe endlich meine Fotos geladen. Hier sind noch einige Dämpfe aus Yellowstone, einige Berge aus Glacier, der Schneesturm, und erste Fotos aus Vancouver. ich gebe zu, dass ich voreingenommen bin, aber an der Westküste ist dies doch die beste Stadt. Asien, Europa und Nordamerika kommen mit ihren besten Seiten zusammen; das Essen ist gut; die Menschen sind freundlich, entspannt und aufgeschlossen; die Stimmung ist toll – und schließlich ist die Lage zwischen Bergen und Meer auch von San Francisco nicht übertroffen. Schön, dass die Tour hier im Nordwesten endet. Nachdem ich gestern downtown unterwegs war, habe ich mir heute Kitsilano vorgenommen, der Stadtteil, der die Stadt zur Uni hin verbindet. Entlang der 4th Ave hunderte kleiner netter Lädenund Cafés, in Sophies Cosmic Café traditionell pochierte Eier auf English Muffin mit Sauce Hollandaise verspeist (sehr lecker, sehr fettig); dann zum Strand die Sonne genießen. Bei dem Wetter will man so lange draußen sein, wie es geht. Deshalb gleich auf in die Nacht, vorher aber noch diese Eindrücke:

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Die letzten Tage, ich bin wieder angeschlossen!

14. Juni 2008 · 1 Kommentar

Montag: den Bären im Kopf

Ich gebe zu, ich bin unentspannt. Ich habe eine riesige Dose Bärenspray schussbereit am Gürtel. Ich klatsche zuweilen in die Hände, singe und führe Selbstgespräche, so haben es die Ranger geraten. Die Bären sind auf Menschenhöhe, denn hier ist der meiste Schnee geschmolzen und sie finden Futter. Ich sehe keinen Bären, aber Lust auf groß Strecken durch dichten Wald habe ich nicht wirklich.

Dienstag: der letzte Tag mit Sicht

Dann ein Tag Kanada: der Glacier Nationalpark hat auch eine kanadische Seite, den Waterton Park. Mitten im Wald ein kleiner Grenzübergang, entspannt, durchfahren, bis später. Auf der Seite von Alberta sieht man besonders gut, wie sich der Boden eines antiken Meeres aus der Prärie hervorgestaucht hat zum Gebirge. Das gesamte Glaciermassiv steht ziemlich plötzlich in der Landschaft. Und dann beginnt das Ende des Wanderns.
Sie nennen es „white snow“. Ich habe die Tür meiner kleinen Hütte mit Küchenpapier abgedichtet, der kleine Heizer funktioniert nur auf kleinster Stufe, aber wenigstens zieht es so nicht mehr. Mein neuer Transformator hat zwar mein Handy aufgeladen, aber es gibt keinen Empfang, und als ich den Laptop anschließe brennt der Transformator durch. Wenigstens konnte ich mir damit dann noch ein Bier öffnen, denn ich habe auch keinen Flaschenöffner. Draußen liegt innerhalb von kürzester Zeit 10 Zentimeter Schnee, es pfeift, die Berge sind mit dichten Wolken bis in die Täler verhangen.

Mittwoch: Flucht ins Café

Am nächsten Morgen bin ich froh, dass ich soviel Geld für einen SUV ausgegeben habe: ein sicheres Gefühl bei jeder Wetterlage. Nur hilft der mir auf den Wanderwegen nicht: auf den Pfaden stehen Schneematsch und Regen 5 Zentimeter hoch. Ich gebe auf, fahre nach Kalispell, das größte Kaff in der Gegend. Die Hauptstraße von einer Allee gesäumt, es gibt ein gutes Café und ich habe ja jetzt Zeit zum Lesen. Ansonsten tiefste Provinz, und das in jeder Regung der Bewohner spürbar.

Donnerstag: wenn schon denn schon – direkt ins Wasser

Am nächsten Morgen: der letzte Versuch. Die Sonne scheint. Ich will garantierten Spaß, deshalb melde ich mich zum Whitewater-Rafting an. Und ich bekomme alles für mein Geld, was geht. Wegen des Schnees sind die Flüsse voll, die Sonne brennt, in meinem Zodiac eine Abiklasse, die nur ein Ziel hat: nass werden. Dementsprechend sensationell war die Stimmung, es landeten 5 Leute im Fluss und in den anderen Booten schauten sie nur neidisch rüber ☺

Ich möchte von einer Telefonzelle aus nach Deutschland telefonieren. Das geht nicht. Auch vom Hotel aus nicht. In den USA gibt es inzwischen Kreditkarten zweiter Klasse, nämlich diejenigen, die nicht dort hergestellt wurden. Europäische Karten funktionieren nicht mehr für alles, jede Tankstelle ein Vabonspiel.
Ich habe manchmal das Gefühl, es ist verkehrte Welt. Zum Beispiel: Joni Mitchell, Ikone der 68er, die mit der Plattenindustrie brach, weil sie den Konsum nicht ertrug, hat jetzt ein neues Album eingespielt: für Starbucks Kaffee. Darauf bringt sie in unterschiedlichen Versionen des Themas „Ich-bin-die-Kerze-der-Hoffnung“ Zeilen gegen den Kapitalismus und die Ausbeutung. Und ich frage mich, warum es so schwer ist, politische Songs zu schreiben. Liegt es daran, dass es keinen sichtbaren Feind gibt, dass man alles sagen darf und deshalb vieles zur Platitüde gerät?

Später dann nach Whitefish, ein winziger Wildwest-Ort mit Bahnanschluss. Es gibt ein Museum, das schon zu hat. Eine wunderbar erhaltene alte Bahnhalle mit zweizeiliger Buchstaben-Einsteck-Anzeigentafel.
Ich gebe meinen Mietwagen am Flughafen ab, muss für wenige Stunden ins Motel, man darf am Flughafen nicht übernachten, auch wenn der Flieger um 6 geht. Der Fahrer erzählt, dass es seit Dezember Gäste befördert – seine Frau mit kleiner Tochter wohnt in North Carolina. Er arbeitet sieben Tage die Woche. Er hat seit Dezember keinen Tag frei genommen. Er ist müde, aber er macht weiter. Sechs Stunden, nachdem er mich am Motel abgesetzt hat, holt er mich dort wieder ab. Er ist die Nacht durchgefahren. Seine Frau will einen BMW Mini oder einen Hummer. Mal sehen, wann er damit nachhause fahren kann, um seine Ehe zu retten.

Heute: Friseur – Zivilisation

Jetzt in Vancouver. Das Wetter ist toll. Der Strand ist voll. Ich bin in einer Großstadt, die ich kenne. Es ist wie das beste von Kalifornien mit dem besten vom Norden vereint. Es ist mit viel Asien und einem Schuss Europa. Es ist oft freundlicher, entspannter, offener, und ich will es nicht glauben: der kleine chinesische Kofferhändler hat genau den Adapter in der Tür hängen, den ich suche. Der Blick hier geht wegen der vielen Immigranten zuweilen doch über den eigenen Tellerrand hinaus.

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In Sicherheit

13. Juni 2008 · Kommentar schreiben

So, ich habs geschafft. Bin in Vancouver, habe immer noch keinen Adapter, aber das ist jetzt auch egal. Ich muss als allererstes mal zum Friseur. Heute frueh um 4 aufgestanden, um 5 von den Amerikanern am Flughafen auseinandergenommen worden wie damals Spiegel-Schmuggler an der DDR-Grenze. Danach immer schale Blicke auf meinen Boardingpass, wo dick „SSSS“ umkringelt war. Haben mich meine Brille, meine Haare, meine Buttons oder mein Rucksack zum Verdachtsmoment „SSSS“ gemacht? Die Kanadier haben mich jedenfalls ohne Nachfragen reingelassen. So bin ich soeben gelandet, nicht allerdings, ohne nochmal einen wunderbar sonnigen Blick ueber das Glacier-Massiv bei Morgenlicht genossen zu haben. Wanderungen haben nicht stattgefunden, es war der schlimmste Schneesturm seit 10 Jahren, Wasser Matsch und Schnee ahben die Wege unpassierbar gemacht, und das dauernde nass von oben hat dann auch keinen Spass gemacht. All das wird nun natuerlich ganz anders… :)  

Ich fasse mich kurz, bin etwas erschoepft, suche jetzt nochmal einen Adapter, damit ich endlich noch tolle Fotos zeigen kann. Und wenns bis Deutschland nicht klappt, bleibts bei dramatischen Darstellungen bis zum 25.6.  — jetzt erstmal einen schoenen Kaffee und dann rein ins Leben!

Prosit uebrigens heute auf a) meine Schwester, die endlich frei ist!!!!, b) Ronaldo, der einfach tolle Tore schiesst und c) auf ein entspanntes Wochenende.

cheers

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Bär im Fernglas, Pfefferspray in der Tasche, und kein Akku

10. Juni 2008 · 1 Kommentar

Ich dachte bis heute, dass ich die ganze Reise zwei Wochen zu früh angetreten hätte. Vor der Saison im Osten, vor der Strandhitze am Pazifik, vor dem Frühling in den Rockies. Richtig ist: ich hätte vier Wochen später reisen sollen. Der Winter hat sich ungewöhnlich viel Zeit gelassen in den USA. Im Yellowstone konnte ich schon den Canyon nicht sehen, weil die Straße wegen Schnee gesperrt war. Im Glacier ist es noch schlimmer. Meinen Traum, die Going-to-the-sun-Straße zu fahren, von vielen als eine der schönsten überhaupt beschrieben, geht leider nicht auf. Bis zu 20 Meter Schnee liegen noch auf dem Pass, die Ranger hoffen, die Straße wenigstens zum 1. Juli (!) frei zu bekommen. Nur tiefer liegende Teilstücke sind geöffnet.

Also Plan B. und der hat sich heute schon mal gelohnt. Früh in West-Glacier aufgebrochen, eine Versorgungssiedlung, Holzhütte auf einem Campingplatz. Wunderschöne Aussichten früh morgens auf den eisgrünen Lake McDonald und am Abend auf das Pendant im Osten, den Lake St. Mary – Euer Daumendrücken hat sich für ein paar Stunden gelohnt, ich hab noch schöne Eindrücke heute Abend bekommen!
Nachmittags dagegen wieder viel Regen, aber trotzdem hat sich die Strecke hier in den Norden gelohnt. Ich mache nur kurze Wanderungen, denn an jeder Ecke wird vor Bären gewarnt – und ich habe sogar einen gesehen (durchs Fernglas) (auf der anderen Seite des Sees). Entspanntes durch den Wald stolzieren ist deshalb leider nicht angesagt, obwohl ich mich mit einer gigantisch aggressiven Flasche Bear-Assault Pfefferspray ausgestattet habe. Aber immer der Devise Frieden schaffen ohne Waffen folgend, lasse ich es gar nicht erst zu Konflikten kommen und halte mich lieber raus…

Ok, leider heute keine Fotos hier im blog, ich habe nämlich nur noch wenig Strom in den Akkus und dummerweise meinen Adapter verloren! (GRRRRMPF) Sowas kann man hier auch nicht kaufen – schlimmstenfalls kann ich erst wieder Freitag in Vancouver was einstellen.

Ein paar Aufnahmen und Eindrücke gibt es auf der Seite http://www.nps.gov/glac/
Und er hier hat auch schöne Fotos: http://www.glacierparkphotos.com/

Morgen mache ich einen Abstecher in den kanadischen Teil des Parks, und dann bin ich noch mal für 2 Tage in Montana bevor es Freitag früh nach Vancouver geht. Die Vorfreude ist schon spürbar ☺

Also bis spätestens Freitag!!

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