Wolf-Christian’s Reisetagebuch

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“ I’schab den Tümbel noch ned.“

6. Juni 2008 · Kommentar schreiben

Ich hab wieder schöne Fotos – für Euch ein kleiner Urlaub für zwischendurch. Etwa von den Tetons am Morgen, und meiner ersten Station, Jenny’s Lake. Schon der erste Anblick des Sees zaubert einem das Grinsen ins Gesicht! Mit einem Bötchen gings zu einem Pfad, der nach etwas Kraxeln auf zweieinhalbtausend Metern Höhe einen super Blick über den See bietet. Daneben plätschern Wasserfälle hinab: Eiswasser von den Gletschern, das in einem Stausee aufgefangen wird. 10 Meter von mir entfernt frühstückt ein Elch, Murmeltiere tollen herum und vorwitzige Streifenhörnchen begleiten mich ein paar Schritte.
Die anderen Wanderer sehen alle sehr professionell ausgerüstet aus. Ich habe nur das an, was ich auch brauche, um den Friedrichshain zu besteigen. Ich bin auch noch nicht verdurstet, weil ich kein Trinksystem um den Hals gewickelt trage.

An Grand Teton schließt praktisch der Yellowstone Park an. Gespenstisch dampft es allenthalben aus dem Boden. Obwohl es trübe ist, leuchten die Farben der Pools. Überall liegt Schnee, manche Pfade sind deshalb nicht zugänglich, der Frühling ist spät dran in diesem Jahr. Deshalb sind Bäche und Flüsse randvoll, und die Wasserfälle zeigen sich bestens in Form. Während ich, zur Krönung des Tages, auf das stündliche Spuck-Spektakel von Old Faithful warte, den großen Geysir, zieht Schneeregen auf und macht uns alle bis auf die Socken nass. Da wünschte ich mir, direkt unter der heißen Geodusche zu stehen.
Old Faithful spuckt übrigens immer langsamer, was mit dem Klimawandel zu tun hat. Geologen vermuten, dass Trockenheit und Dürre in den vergangenen Jahren den Grundwasserspiegel des Geysirs so weit sinken lässt, dass die Show-Intervalle immer länger werden. Dafür allerdings hat der Park aufgerüstet: Ein riesiges neues Visitor-Center entsteht zusätzlich zu Klinik und Lodge und Restaurant – und Mini-Autobahnkreuz, was in Nationalparks eigentlich undenkbar ist.

Fotos muss ich wohl nachreichen, die Internetverbindung hier im Holzfällerhostel ist sehr gebrechlich. Dafür ein verbales Schmankerl:

Landsleute auf Motivsuche:
„Schau her, der is wech.“
„Der macht nur noch a bissle blubb.“
„Hee, Duu, wo willsde hin? I’schab den Tümbel noch ned.“
„’Schab deen hier jezsd.“

na, hier sind doch schon Fotos:

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Busted by the Cops – oder: wie ich durch den Schneesturm kam

6. Juni 2008 · Kommentar schreiben

Und ich dachte noch, es wird ein eher langweiliger Tag.

Letzter Stop im Rocky Mountains NP, Postkarten-Panorama am Bear Lake eingefangen und dann auch die 34 nach Osten. Durch Schluchten von rosa Felsen zieht die Straße entlang dem sprudelnden Big Thompson River aus der Front Range der Rockies hinaus. In Loveland dann auf die 287 nach Norden, immer genau auf der Naht zwischen Plains und Rockies, schlängelt sich der Weg um den ersten Kamm von Verwerfungen. Bald hört die Natur auf, lange Gewerbegebiete säumen den Highway bis zur Colorado State University in Fort Collins. Weiter auf der 287 nach Nordwestem, die Landschaft erinnert plötzlich sehr ans Monument Valley: rote Felsen, die sich aus dem Plateau erheben. Nur ist alles grün bedeckt, denke ich noch, bevor der erste Guss des Tages über mir niedergeht. Jetzt ist das Auto wieder sauber.
Kein Wunder, dass es grün ist, bei dem Regen. Im Radio dudelt Jazz, und wie es der Zufall will, ist es die WDR Bigband. Gute Laune.

Dann Laramie, die Stadt, wo sie Matthew Shepard erschlagen haben. Ich brauche dringend Benzin. An der ersten Tankstelle ist kein Tankwart. An der zweiten tönt ein Rambo mit schwarzen Zähnen durch die Nase: „Man kann nur mit normalen amerikanischen Kreditkarten bezahlen. Du hast eine europäische? Das ist keine normale. Man kann nur mit normalen bezahlen.“ An der dritten klappts. Es gewittert inzwischen. Mich gruselt hier, ich fahre schnell weiter.

Highway 80 West, ich fahre über ein grünes Hochplateau, die Medicine Bow Mountains. Bei Rawlins (wieder auf der 287) überquere ich die Kontinentalscheide. Links läuft alles Wasser Richtung Pazifik – rechts Richtung Atlantik.
Plötzlich öffnet sich die Umgebung in eine riesige Tiefebene, das Great Divide Basin. Ringsum einsame Prärie. Umso erstaunlicher, dass plötzlich hinter mir bunte Lichter funkeln, die eindeutig mich meinen! Weil ich kein Bargeld habe, darf mit Polizeischutz 30 meilen zurück zum nächsten Bankautomaten fahren. Für den Haufen Geld, das ich dem State Tropper dann in die Hand drücke, sagt er mir noch, welches die schönste Strecke zum Grand Teton ist, wo es dort teuer ist und wie das Wetter wird.

Die Strecke bleibt tatsächlich spektakulär. Immer wieder Verwerfungen in tiefem Rot oder Ocker. Immer wieder weite Täler zwischen Hügelketten. Die Straße folgt einige Zeit dem alten Oregon Trail, wo sich Trapper, Indianer und Siedler wilder Westen spielten.

Die Strecke will nicht enden, immer geradeaus, meist von langen Zäunen gesäumt, die Indianerreservate eingrenzen. Prärie. Schließlich geht es schließlich eindeutig in die Berge, die Straße schlägt sich am Rande des Wind River Richtung Westen. Im Radio gibt es christliche Nachrichten, die einen Dreiminutenreport über die Probleme von Missionaren im Libanon bringen. Grade, als ich über den Tag nachdenke und darüber, dass ich für einen Fahrtag eigentlich eine Menge gesehen und erlebt habe, kommt noch eine dicke Überraschung.

Morgens lässig in T-Shirt und Shorts losgefahren, gewinne ich plötzlich an Höhe und lande in einem veritablen Schneegestöber. Auf einer Mischung aus Highway, Dreckspiste und Schneematsch geht es durch ein weißes Winterparadies! – Und dann: Wie in einer kitschigen Jesus-Radio-Erlösungs-Fantasie leuchtet ein Licht am Ende des Highways, und je näher ich komme, öffnet sich der Schneepass in ein leuchtendes Tal, in dessen Hintergrund die majestätischen Teton-Berge tronen. Das war wirklich der Knaller. Vor allem, weil ich es nach 10 Stunden Fahrt auf 10 Minuten genau (ungelogen) zum Sonnenuntergang geschafft habe – um noch ein paar Postkartenfotos für Euch zu machen.
Dabei wurde es leider so spät, dass die billigen Motels alle ausgebucht waren. Zu dumm. Und deshalb endete mein Fahrtag – im Kofferraum auf einem Krankenhausparkplatz. So kanns gehen. Alles vom Grand Teton bei Tag und aus dem Yellowstone wohl erst übermorgen. Nach einer unbequemen Nacht gibt’s jetzt erstmal heißen Tee.

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