Wolf-Christian’s Reisetagebuch

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Die Wüste ist nass

24. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Nach kurzer Fahrt liegt alles Bewohnbare hinter mir und es wird so trocken, dass ich dauernd zur Wasserflasche auf dem Beifahrersitz greife. Grade noch waldige Täler durchquert und kleine Oasen passiert, die am Rande eines riesigen Salzsees heruntergekommene Siedlungen und Trailerparks umrahmen.
Die Fahrt geht durch den nördlichen Teil der Colorado-Wüste, die sich bis nach Mexiko hinein zieht. Armeehubschrauber machen Trainingsflüge über mir. Ich fahre durch ein kleines Nest namens Mecca, an einer Tankstelle ärgere ich mich, dass ich nie Spanisch gelernt habe.
Die kahlen Berge und schroffen Krater wirken, als sei hier eigentlich alles zu Ende. Das einzige, was auf ein Ziel hin deutet, sind der Truck, der mir irgendwann entgegenkommt, und der frisch auf die Straße gestrichene Mittelstreifen.
Schließlich öffnen sich die Bergketten in ein riesiges kahles Tal. Der südliche Teil des Joshua Tree Nationalparks. Niedrige Kakteen und vom Wind gezauste Sträucher bedecken den Boden. Vor zwei Wochen haben sie noch geblüht, jetzt zeigen sie gelbe Früchte. Im Sommer herrschen hier mehr als 45 Grad. Dann verlieren selbst die hartnäckigsten Sträucher ihre Blätter, bis auf ein paar wenige, dunkle und zähe, die den Pflanzen dann noch reichen. Vereinzelt ragen die Ocotillos störrisch in die Gegend, größere Sträucher mit grade noch roten Blüten. In der Mitte des Parks der Übergang von der kahlen Colorado Wüste zur savanneartigen Mojave-Wüste. Hier die Joshua Trees, die in großen Feldern zwischen riesigen Gneisbrocken stehen, die Wind und Wasser langsam aus der Fläche herausgefräst haben. Am Abend den Sonnenuntergang vom Keys View aus gesehen – der ganze Tag war bewölkt, es hat geregnet, dafür zeigte sich der Himmel schließlich in feinem aprikot und kleidete die unwirtlichen Felsstränge, die sich durch den Park ziehen, in warmes Abendlicht.
Dass die Wüste alles andere als langweilig ist, erkennt man unter anderem daran, dass ich 184 (!) Wüstenfotos gemacht habe. Von denen ich Euch nicht alle zumuten möchte, wenigstens aber diese Postkartenmotive:

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