Wolf-Christian’s Reisetagebuch

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Die Flucht

30. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Das Ziel ist erreicht: heute früh um 6 bin ich aus Santa Cruz geflüchtet und zwei Stunden später das letzte Mal vom Highway 1 abgebogen, um in San Francisco mein Cabrio abzugeben..

Kurz noch zu dem Ort, aus dem ich komme, Santa Cruz.
Ich habe keine Ahnung, weshalb ich dort übernachtet habe, es gab sicher einen Grund, aber ich habe ihn vergessen – oder der Ort hat ihn mich vergessen lassen. Hier kurz meine Gemeinheiten und dann belasse ich es auch dabei.
OK, Santa Cruz, self named Surfer City, was für ein unsympathisches Kaff. Hab auch keine Surfer gesehen. Stattdessen begrüßt das an sich nette Hostel seine Gäste mit Regeln wie etwa Regel 2) Schuhe ausziehen und Regel 4) Sonnenbrille aufsetzen. Das ist finde ich schon der Hammer. Vielleicht sollten sie ergänzend für die schlimmsten Fälle ein Pediküre engagieren – oder ich hätte Kohlenglass aufsetzen müssen, um das Unheil nicht zu erkennen. Und außerdem: Wie außerordentlich uncool ist denn bitte die schriftlich fixierte Aufforderung zur Sonnenbrille! Paßt aber zum Volk.
Die einzig ansprechbaren Menschen waren die Gäste im Hostel.
Ansonsten: Erschreckend viele Aggrobettler, superviele dämlich grinsende Späthippies (verborgen hinter riesigen, von chinesischen Kindern billig zusammengeklebten Sonnenbrillen…) UND noch viel mehr PWWTMH: People With Way Too Much Hair, meistens Typ Stink. Merke: Mann ist nicht automatisch Mann, weil er rumläuft wie ein Yeti. Ich weiß auch gar nicht, was diese dämlichen Bärte jetzt immer sollen. Wie zur Bestätigung, dass an anderer Stelle auch noch was wächst. Und sich bei 25 Grad noch eine Wollmütze über den Zottelwuchs zu ziehen macht mich auch skeptisch, welche organic mushrooms da gedeihen sollen.
Und dann noch eine Nachricht für alle Spät-, Immerschon- und Neo-Hippies: Ganz ehrlich, die Zeit ist doch vorbei. Außerdem kommt es mir bei all der freigesetzten Kreativität komisch vor, dass in den großen Ausstellungen des Landes fast keine aktuelle Kunst von der Westküste gezeigt wird… Merke 2: Nich soviel Gras rauchen, nich soviel New Age quatschen, nich so dämlich grinsen. UND MICH NICHT NACH MEINEM AUSWEIS FRAGEN WENN ICH EIN BIER WILL. ICH BIN AUSGEWACHSEN. DAS SIEHT MAN AUCH.
Achso, die Stadt selbst: etwas runtergekommen und eine erschreckende Anmutung an das Set von „28 Days later“. Jahrmarkt am Strand: ausgestorben. Straßen um downtown herum: ausgestorben. Man kann den Ort nur ertragen, wenn man urst hetero oder urst vollst mit Drogen ist. Hostelblondine bitchy.

Fazit: Leave fast. Which I did. Siehe oben. Keine Fotos.

Dadurch einen Tag mehr San Francisco, was bereits mit einem Handgemenge an der überfüllten Tankstelle begann. Nun erstmal ein beruhigender Tee, später treffe ich noch Chris und mehr aus der Stadt der Matrosen morgen. Go sailers go, to Californio…

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