Wolf-Christian’s Reisetagebuch

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Blümchen-Sex im Schatten des Balboa Park

22. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Ja, Ihr Lieben, die Quote sagt mir, dass ich mit solchen Überschriften höhere Klickzahlen erreiche. Politik aus dem Hinterhof dagegen interessiert faktisch NIEMANDEN. Ich werd mich trotzdem nicht für Euch ausziehen!
Stattdessen sonnige Fotos von schönen Blumen in San Diegos kitschigem Balboa Park als versöhnlichen Abschied aus der Hauptstadt der Obdachlosen. Das notorisch gute Wetter zieht sie in den Süden: und lässt sie hier an jeder Straßenecke nach Kleingeld – oder Wasser betteln. Achtung Überleitung: Der neueste Schrei in Sachen Wasser in Amerika ist übrigens „vitamin water“. Vermarktet mit den vereinten Kräften von SAMANTHA, CARRIE, MIRANDA und CHARLOTTE kauft jetzt jeder (mich inklusive – natürlich!!) bunt gefärbtes Wasser in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen mit Vitamin-Bonus. Die SEX IN THE CITY Version nennt sich sinnigerweise „XXX“ und hat folgenden Geschmack: „acai-blueberry-pomegranate (triple antioxidants)“. Sensationell, oder? Hat außerdem einen grandios hohen Zuckeranteil. Je mehr man davon trinkt, desto schneller verwandelt man sich in eine fettärschige Sea-World-Besucherin!
Jetzt aber zurück zu Blumen und Bienen, anbei nette Fotos und herzliche Grüße, und lest doch auch mal die anstrengenden Geschichten. Ihr müsst schließlich noch nicht mal GEZ dafür zahlen. ;)

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Neues aus dem Hinterhof

21. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Tja, so ist das mit dem Paradies, es hat auch seinen Hinterhof. Zunächst mal ist es auch in San Diego bewölkt. Perfekt also für eine Tour zu Sea World. Es gibt eine Straßenbahn, die mit viel Getöse und Aufmerksamkeit durch die Innenstadt zuckelt – und sie wird von vielen Menschen genutzt. Sobald man allerdings die unmittelbare Innenstadt verlässt, zeigen sich lange Ausfallstraßen mit Billigläden, Wohngegenden, die eher von oben schick aussehen, Industrieanlagen. In San Diego ließen sich die ersten spanischen Missionare Kaliforniens nieder, allerdings schnarchte der Ort lange im Dornröschenschlaf. Er nach Pearl Harbour, als die Marine sich hier konzentrierte, und dann nach dem Krieg entwickelte sie sich zum Marine und Kongress-Stützpunkt. Die Prachtmeile der Innenstadt, die 5th Avenue, an der auch mein Hostel liegt, war lange ein Strip halblegaler Pinten und Saloons, bevor in den vergangenen 30 Jahren eine riesige Neugestaltung einsetzte.

Das Sea World Spektakel

In Sea World selbst dreht sich alles um Shamu. Das Marketing um den Killerwal (ein eigenes Shamu Show-Stadium gehört auch dazu) setzt alle Aufregung um Knut in den Schatten. Ich nehme zwischen übergewichtigen Frauen Platz. Wenn sie so einparken, wie sie ihre Hintern an mir vorbeibewegen, hat die Versicherungsbranche ein Problem. Eine 25minütige Show mit aufwendig produzierten Videos, bombastischer Musik und unglaublich getimten Showacts mit den Tieren zeigt die lange Arbeit der Trainer mit den vier Killerwalen: das ist grandios. Das Publikum wird mit Ansage nass gemacht, ein ausgewählter kleiner Junge darf mal anfassen, es gibt Sprünge und Platscher und Surfen auf dem Wal. Dasselbe in quirliger und mit weniger Bombast dafür mehr Calypso-Feeling noch mal mit den Delfinen. Auch hier erstaunlich, wie sich die Tiere auf die Sekunde in den Musikrhythmus einpassen und die Sprünge genau auf Tusch kommen.
Man tut im Park keinen Schritt, ohne von passender Musik beschallt zu werden, nach jeder Attraktion wird man automatisch in einen Souvenirverkauf geleitet (wer nach 60 Dollar Eintritt noch was überhat, kann dort Pinguine und Shamus kaufen), und die Amerikaner komplettieren das Getöse mit der Lautstärke ihrer Unterhaltung.

Der Krieg vs Die Wirtschaft

Über all dem Spektakel liegt allerdings ein Schatten. Zu Beginn der Shamu-Show spricht eine Trainerin Solidarität mit den Soldaten und ihren Familien aus. Das Gesamte Publikum bekommt ein 30 Sekunden Armee Propaganda Video zu sehen. Danach soll jeder aufstehen, der einen Soldaten kennt, oder einen Angehörigen einer befreundeten Armee.
Es stehen nur wenige auf, der Beifall bleibt verhalten. Was den Menschen eher Sorge macht, erfahre ich immer öfter, ist der stetig steigende Benzinpreis (jetzt 4 Dollar pro Gallone). Die Frage: wie werde ich meine Schulden los, wenn die Wirtschaft gradewegs in die Rezension schlittert. Wie verkaufe ich mein Haus noch ohne Verlust? Der Wahlkampf orientiert sich eher Richtung Wirtschaft.
Und dann treffe ich in meinem Hostel-Zimmer endlich jemanden, der garantiert nicht demokratisch wählt. Ein Ingenieur, der durch die Welt reist, um Anlagen zu bauen, meist nach Russland. Bush sei so schlecht nicht gewesen – er habe den Krieg eben finanzieren müssen, aus dem Irak könne man nicht raus – sonst wir er vom Iran einverleibt, und die Migranten seien ein echtes Problem – es könne nicht wahr sein, dass die mit Kopftüchern offen auf amerikanischen Straßen amerikanisch-westliche Kultur konterkarierten. Und in der Tat: ich sehe auf den Straßen fast keine Kopftücher. Mit Ausnahme der Turbane indischer Taxifahrer in NY.
Zufällig gerate ich Abends in einen Buchladen, der seinen neunten Geburtstag feiert. Ich werde auf ein Glas Prickelwitwe eingeladen. Schade, dass es für Hillary jetzt vorbei ist, höre ich. Die war taff, die hatte Biss, die hätte uns gut durch das Schlamassel manövriert. Und immer wieder die Frage: wofür steht Obama?

Energiewende

Schließlich zeigt sich noch, dass auf längere Sicht der Umgang mit Ressourcen ein wichtiges Thema wird. Die Amerikaner wollen vom Präsidenten Lösungen dafür, dass der Benzinpreis sinkt, sagt ein Mann. Aber sie sind noch nicht bereit, über andere Lösungen wie Elektromotoren nachzudenken. Das Land biete viele Möglichkeiten für alternative Energien, aber kein Politiker habe sich damit ernsthaft auseinander gesetzt.
Wer durch die Dörfer Neuenglands fährt, begreift auch weshalb. Das Land ist so zersiedelt, so weitläufig, dass sinnvoller Nahverkehr nicht funktioniert, dass jede Familie auf ein Auto angewiesen ist. Die Einsicht, dass es kein SUV (und die Dinger hier sind noch um einiges fetter als in Europa!!) sondern ein Kleinwagen sein könnte, reift bestenfalls sehr langsam. Wäre also Al Gore der richtige Präsident gewesen? Der tritt nicht wieder an. Wer in diesem Rennen einmal verloren hat, ist für immer fertig damit. Prost. Auf Hillary.

Damit auch dieser Eintrag locker-flockig endet, ein paar Fotos von fliegenden Fischen!
Nächste Station Joshua Tree National Park – wahrscheinlich am Freitag hier zu sehen.

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Wolkenlos über den Kontinent

20. Mai 2008 · Kommentar schreiben

So, schöne Grüße aus dem Paradies.
Bin einmal quer über den Kontinent geflogen. Mit jetblue, massig Beinfreiheit (!) und: sensationeller Aussicht. Irgendwann im mittleren Westen wurden die Felder plötzlich kreisrund. Meine Vermutung war zunächst, dass es sich um geheime Landeplätze für Marsianer handelt, die dann Fernsehprediger entführen. Aber bei google stellte sich heraus, dass in der Mitte des Feldes ein langer Bewässerungsarm installiert ist, der dann kreisrund regnet.
Dann führen die Felder ins Nichts, aus der Wüste erheben sich erste Steigungen, und dann, ganz plötzlich, liegen die südlichen Rockies unter uns, einige Gipfel noch schneebedeckt. Danach Wüste, von tiefen Canyons zerschnitten, zum Teil ganz roter Boden. Schließlich das Vorgebirge zur Westküste. Krasse Krater, staubtrocken, kein Platz für Notlandungen, bis dann auf einmal Häuser zu sehen sind, die Straßen grün, Pools im Garten. Der Anflug auf San Diego war spektakulär. Der Flieger überquert die gesamte Stadt, schrammt schließlich über einem bebauten Hügel über die Dächer auf die Landebahn und muss ziemlich stark bremsen. Palmen auf den Straßen. Eyewitness-news-Reporter live vor dem neuen Hilton-Hotel, von dem sich die Fassade ruckartig gelöst hatte. Exotisch blühende Bäume an den Straßenrändern, die ich noch nicht gesehen hatte.
Dann erstmal in die Sonne, in einen kleinen Park direkt an der bay. Heute stehen Sea World, Strand und Wäschewaschen auf dem Programm. Und Fotos machen, damit Ihr wieder was zu sehen habt!

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