Heute war es soweit. Die letzte Route. Wieder den Rucksack gepackt. Wieder einen Weg gefunden, die Tshirts noch fester einzurollen, die Socken noch anders zu ordnen, damit doch noch ein Buch mehr reinpasst, das ich schon wieder gekauft habe. Wieder auf zu einem Bus, einem anderen, zurücklaufen, einem dritten. Das ganze heute versüßt durch: 1) Das Tor von Ballack. Besichtigungspläne endeten um 10:45, als mich die deutsche Studentenbedienung im Café darauf aufmerksam machte, dass wir heute möglicherweise gegen Österreich verlieren. Deshalb um 11:45h Ortszeit Daumen gedrückt in einer Sportsbar, bald aus Frust ein Bier bestellt, dann sehr gefreut. 2) Versüßt durch die wunderbare Fährfahrt von Vancouver nach Victoria. Da geht es durch die Strait of Georgia, 1791 das erste Mal von Europäern befahren (von den Spaniern). Ein Jahr später tauchten an selber Stelle die Engländer auf, unter Kapitän Vancouver, und er benannte die Meerenge nach dem englischen Georg dem Dritten. Leider fuhren wir auf der schäbigen alten Queen of Saanich. Und das, obwohl BC Ferries (British Columbia Fähren) in diesem Jahr drei riesige tolle nagelneue in Deutschland gebaute Fähren bekommen (haben). Die sind einmal über den Atlantik, durch den Panamakanal und die Küste hoch, bevor sie hier nun über die Georgia Strait hinweg zwischen Vancouver und Vancouver Island Dienst tun.
Ich bin die Strecke oft gefahren, aber es ist einfach immer wieder toll. Seltsam, wie Vergangenheit und Gegenwart da zusammenspielen, wie Erinnerungen an Schule und Studium sich mischen mit Vorfreude, meine Gastfamilie und die Freunde wieder zu sehen.
Mehr von denen in den nächsten Tagen an dieser Stelle, natürlich mit Fotos. Hier jetzt Bilder von einer der schönsten Fährstrecken, die ich kenne.
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Die letzte Route (ist auch die schönste)
17. Juni 2008 · Kommentar schreiben
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They got me!
16. Juni 2008 · Kommentar schreiben
Ich habe ein neues Lieblingsgetränk. Der (Achtung Lautschrift) „grandi mohhh-ka frapputschinoh tu go, plis, jes, wipping krim!!“. Vom Starbucks. Besser geht nicht bei Sonnenschein.
Nachdem ich gestern von einer fürchterlichen Party ins Bett geflüchtet bin (Berlin ist einfach die Party-Stadt Nr. 1), heute ein SENSATIONELLER Tag: kein Wölkchen am Himmel, schön über 20 Grad, eine frische Brise vom Ozean, so lässt sich das doch aushalten. Die Frage ist nicht, kann man hier leben, sondern: Wann macht das ZDF hier ein Studio auf? Die Antwort: In 607 Tagen. Dann nämlich beginnen die olympischen Winterspiele 2010.
Heute früh als erstes ein Fahrrad geliehen (Beweisfoto s.u.) und damit einmal um den Stanley Park gedüst – so was wie der Tiergarten, nur mit Wasser drumrum. Toller Blick auf die immer wachsenden Condominium-Türme, auf schneebedeckte Berge, auf startende Wasserflugzeuge, die zum Teil einen Linienverkehr in die Provinzhauptstadt Victoria aufrechterhalten.
Dann kurz in die Vancouver Art Gallery: zum ersten Mal gibt’s eine Ausstellung, die die Entwicklung von Comics, Animes, Mangas, Videospielen u.ä. zeigt. Das war echt interessant, und vor allem: voll mit Leuten, trotz Sonnenscheins. Noch schnell die übrigen Ausstellungen durchschweift, dann wieder aufs Rad.
Die Stadtplanung hier hat die Fehler anderer Küstenstädte nicht wiederholt: man kann mit dem Rad und zu Fuß ohne riesige Straßen überqueren zu müssen bequem und entspannt am Wasser entlang fahren, an kleinen (neu angelegten) Parks vorbei, an Restaurants und Strandabschnitten, mit großen Rasenrabatten ergänzt, die alle gepflegt und frei von Scheißhaufen sind. Was für ein Luxus!
Offiziell war heute Autofreier Tag. Na, ein bisschen Autofrei. Genauer: die Denman St. war gesperrt, Straßenfest, beste Laune allenthalben. Wölfchen, weil Hunger, Nudelsalat mit Königsberger Klopsen á la chinesisch verspeist (großer Fehler), dann ab an die Beach Ave, wo Ming-Vasen Beach-Volleyball zeigten und ansonsten die gesamte Stadt zu Fuß oder auf allen erdenklichen Rollen ohne Motor unterwegs war. Ausführliches Sonnenbad. Und an diesem Punkt, gebe ich gerne zu, begann der dekadente Teil dieser Reise. Natürlich: in den letzten Wochen von Ort zu Ort gedüst, alles aufgesogen, alles aufgeschrieben, kennengelernt, was ging – das fiel noch grob unter „Bildungsreise„. Jetzt ist es purer Urlaub. Ich lese ein Buch und lege es auch einfach weg. Einfach schön!
Jetzt noch kurz ein paar Fotos für Euch. Dann geht es wieder raus!
- Hier kann man’s doch aushalten, oder!?
- Sportlich, wie überhaupt IMMER
- Autofrei
- Beachvolleyball, das lern ich jetzt auch
- *seufz* Forget San Francisco.
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Endlich Fotos!
15. Juni 2008 · Kommentar schreiben
Liebe Reiseverfolger, ich habe endlich meine Fotos geladen. Hier sind noch einige Dämpfe aus Yellowstone, einige Berge aus Glacier, der Schneesturm, und erste Fotos aus Vancouver. ich gebe zu, dass ich voreingenommen bin, aber an der Westküste ist dies doch die beste Stadt. Asien, Europa und Nordamerika kommen mit ihren besten Seiten zusammen; das Essen ist gut; die Menschen sind freundlich, entspannt und aufgeschlossen; die Stimmung ist toll – und schließlich ist die Lage zwischen Bergen und Meer auch von San Francisco nicht übertroffen. Schön, dass die Tour hier im Nordwesten endet. Nachdem ich gestern downtown unterwegs war, habe ich mir heute Kitsilano vorgenommen, der Stadtteil, der die Stadt zur Uni hin verbindet. Entlang der 4th Ave hunderte kleiner netter Lädenund Cafés, in Sophies Cosmic Café traditionell pochierte Eier auf English Muffin mit Sauce Hollandaise verspeist (sehr lecker, sehr fettig); dann zum Strand die Sonne genießen. Bei dem Wetter will man so lange draußen sein, wie es geht. Deshalb gleich auf in die Nacht, vorher aber noch diese Eindrücke:
- Mammut-Dampfanlage im Yellowstone
- Flathead Lake, superschön
- All you need in the USA
- wandern in bear-country
- Glacier, als man noch etwas erkannt hat :)
- märchenhafte rote Schlucht
- die Tür ist dicht
- eingeschneit im Glacierpark
- endlich Vancouver: mit diesem Bötchen heute von Strand zu Strand
- Geh zu ihr und lass Deinen Drachen steigen…
- das war mein Nachmittag :))
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Die letzten Tage, ich bin wieder angeschlossen!
14. Juni 2008 · 1 Kommentar
Montag: den Bären im Kopf
Ich gebe zu, ich bin unentspannt. Ich habe eine riesige Dose Bärenspray schussbereit am Gürtel. Ich klatsche zuweilen in die Hände, singe und führe Selbstgespräche, so haben es die Ranger geraten. Die Bären sind auf Menschenhöhe, denn hier ist der meiste Schnee geschmolzen und sie finden Futter. Ich sehe keinen Bären, aber Lust auf groß Strecken durch dichten Wald habe ich nicht wirklich.
Dienstag: der letzte Tag mit Sicht
Dann ein Tag Kanada: der Glacier Nationalpark hat auch eine kanadische Seite, den Waterton Park. Mitten im Wald ein kleiner Grenzübergang, entspannt, durchfahren, bis später. Auf der Seite von Alberta sieht man besonders gut, wie sich der Boden eines antiken Meeres aus der Prärie hervorgestaucht hat zum Gebirge. Das gesamte Glaciermassiv steht ziemlich plötzlich in der Landschaft. Und dann beginnt das Ende des Wanderns.
Sie nennen es „white snow“. Ich habe die Tür meiner kleinen Hütte mit Küchenpapier abgedichtet, der kleine Heizer funktioniert nur auf kleinster Stufe, aber wenigstens zieht es so nicht mehr. Mein neuer Transformator hat zwar mein Handy aufgeladen, aber es gibt keinen Empfang, und als ich den Laptop anschließe brennt der Transformator durch. Wenigstens konnte ich mir damit dann noch ein Bier öffnen, denn ich habe auch keinen Flaschenöffner. Draußen liegt innerhalb von kürzester Zeit 10 Zentimeter Schnee, es pfeift, die Berge sind mit dichten Wolken bis in die Täler verhangen.
Mittwoch: Flucht ins Café
Am nächsten Morgen bin ich froh, dass ich soviel Geld für einen SUV ausgegeben habe: ein sicheres Gefühl bei jeder Wetterlage. Nur hilft der mir auf den Wanderwegen nicht: auf den Pfaden stehen Schneematsch und Regen 5 Zentimeter hoch. Ich gebe auf, fahre nach Kalispell, das größte Kaff in der Gegend. Die Hauptstraße von einer Allee gesäumt, es gibt ein gutes Café und ich habe ja jetzt Zeit zum Lesen. Ansonsten tiefste Provinz, und das in jeder Regung der Bewohner spürbar.
Donnerstag: wenn schon denn schon – direkt ins Wasser
Am nächsten Morgen: der letzte Versuch. Die Sonne scheint. Ich will garantierten Spaß, deshalb melde ich mich zum Whitewater-Rafting an. Und ich bekomme alles für mein Geld, was geht. Wegen des Schnees sind die Flüsse voll, die Sonne brennt, in meinem Zodiac eine Abiklasse, die nur ein Ziel hat: nass werden. Dementsprechend sensationell war die Stimmung, es landeten 5 Leute im Fluss und in den anderen Booten schauten sie nur neidisch rüber ☺
Ich möchte von einer Telefonzelle aus nach Deutschland telefonieren. Das geht nicht. Auch vom Hotel aus nicht. In den USA gibt es inzwischen Kreditkarten zweiter Klasse, nämlich diejenigen, die nicht dort hergestellt wurden. Europäische Karten funktionieren nicht mehr für alles, jede Tankstelle ein Vabonspiel.
Ich habe manchmal das Gefühl, es ist verkehrte Welt. Zum Beispiel: Joni Mitchell, Ikone der 68er, die mit der Plattenindustrie brach, weil sie den Konsum nicht ertrug, hat jetzt ein neues Album eingespielt: für Starbucks Kaffee. Darauf bringt sie in unterschiedlichen Versionen des Themas „Ich-bin-die-Kerze-der-Hoffnung“ Zeilen gegen den Kapitalismus und die Ausbeutung. Und ich frage mich, warum es so schwer ist, politische Songs zu schreiben. Liegt es daran, dass es keinen sichtbaren Feind gibt, dass man alles sagen darf und deshalb vieles zur Platitüde gerät?
Später dann nach Whitefish, ein winziger Wildwest-Ort mit Bahnanschluss. Es gibt ein Museum, das schon zu hat. Eine wunderbar erhaltene alte Bahnhalle mit zweizeiliger Buchstaben-Einsteck-Anzeigentafel.
Ich gebe meinen Mietwagen am Flughafen ab, muss für wenige Stunden ins Motel, man darf am Flughafen nicht übernachten, auch wenn der Flieger um 6 geht. Der Fahrer erzählt, dass es seit Dezember Gäste befördert – seine Frau mit kleiner Tochter wohnt in North Carolina. Er arbeitet sieben Tage die Woche. Er hat seit Dezember keinen Tag frei genommen. Er ist müde, aber er macht weiter. Sechs Stunden, nachdem er mich am Motel abgesetzt hat, holt er mich dort wieder ab. Er ist die Nacht durchgefahren. Seine Frau will einen BMW Mini oder einen Hummer. Mal sehen, wann er damit nachhause fahren kann, um seine Ehe zu retten.
Heute: Friseur – Zivilisation
Jetzt in Vancouver. Das Wetter ist toll. Der Strand ist voll. Ich bin in einer Großstadt, die ich kenne. Es ist wie das beste von Kalifornien mit dem besten vom Norden vereint. Es ist mit viel Asien und einem Schuss Europa. Es ist oft freundlicher, entspannter, offener, und ich will es nicht glauben: der kleine chinesische Kofferhändler hat genau den Adapter in der Tür hängen, den ich suche. Der Blick hier geht wegen der vielen Immigranten zuweilen doch über den eigenen Tellerrand hinaus.
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In Sicherheit
13. Juni 2008 · Kommentar schreiben
So, ich habs geschafft. Bin in Vancouver, habe immer noch keinen Adapter, aber das ist jetzt auch egal. Ich muss als allererstes mal zum Friseur. Heute frueh um 4 aufgestanden, um 5 von den Amerikanern am Flughafen auseinandergenommen worden wie damals Spiegel-Schmuggler an der DDR-Grenze. Danach immer schale Blicke auf meinen Boardingpass, wo dick „SSSS“ umkringelt war. Haben mich meine Brille, meine Haare, meine Buttons oder mein Rucksack zum Verdachtsmoment „SSSS“ gemacht? Die Kanadier haben mich jedenfalls ohne Nachfragen reingelassen. So bin ich soeben gelandet, nicht allerdings, ohne nochmal einen wunderbar sonnigen Blick ueber das Glacier-Massiv bei Morgenlicht genossen zu haben. Wanderungen haben nicht stattgefunden, es war der schlimmste Schneesturm seit 10 Jahren, Wasser Matsch und Schnee ahben die Wege unpassierbar gemacht, und das dauernde nass von oben hat dann auch keinen Spass gemacht. All das wird nun natuerlich ganz anders…
Ich fasse mich kurz, bin etwas erschoepft, suche jetzt nochmal einen Adapter, damit ich endlich noch tolle Fotos zeigen kann. Und wenns bis Deutschland nicht klappt, bleibts bei dramatischen Darstellungen bis zum 25.6. — jetzt erstmal einen schoenen Kaffee und dann rein ins Leben!
Prosit uebrigens heute auf a) meine Schwester, die endlich frei ist!!!!, b) Ronaldo, der einfach tolle Tore schiesst und c) auf ein entspanntes Wochenende.
cheers
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