Schlürfschmatzschleck

VERNON, British Columbia

5. Oktober 2010

Rückenwind aus Osten. Flug 7 der Alaska Airlines überquert den Kontinent in fünf Stunden, eine Stunde schneller als geplant. Wir sind um 19 Uhr gestartet, kommen um kurz vor 10 local time am Pazifik an. In Seattle umsteigen. Doch der Turboprop-Flitzer, der uns noch bis Mitternacht nach Norden bringen soll, ist kaputt. Gestrandet in Terminal C. Eine mexikanische Bar hat 24 Stunden geöffnet: für das Reinigungs- und Sicherheitspersonal. Ich finde eine Bank und etwas Schlaf, um halb fünf  einen Kaffee, um halb sechs dann Abflug. Nach dem ersten Ärger bin ich froh, dass der Pilot einen Flug absagt, wenn ein Instrument nicht funktioniert. Ich bin auch froh, dass ich den Sonnenaufgang erleben kann, über den kanadischen Grenze. Wir fliegen ins Okanagan Valley, die wärmste Gegend im Nordwesten Amerikas. Fruchtplantagen und Weinanbau, die Hügel teils bewaldet, zum größten Teil aber kahl und vertrocknet vom wüstenhaften Sommer. Große Seen reihen sich aneinander, sie schimmern im Morgenlicht, und als die ersten Sonnenstrahlen über die Hügelketten klettern, setzt der Propellerflieger in Kelowna auf.

Im winzigen Gepäckraum ein Wandbild in sepia: eine Wohnküche mit Fotos von Einwanderern. „Kelowna salutes the role of newcomers in the development of thze Okanagan Valley“ steht darüber. Das ist Einwanderungspolitik auf kanadisch, denn wer einwandern darf oder nicht bestimmt ein Punktesystem, in dem vor allem berufliche Qualifikation eine Rolle spielt. Neben der Passkontrolle zeigt ein Foto das Staatsoberhaupt: die englische Königin neben kanadischer Flagge. Die Stimmung ist entspannt und herzlich, die Einreise dauert keine 60 Sekunden.

 

Singing a Thanksgiving Cheerio

 

6. Oktober 2010

Warm hier. Sehr warm hier. Eine der heißesten Gegenden Kanadas, ein fast steppenhafttes Tal um den riesigen Okanagan See. Weinreben ziehen sich die Hügel entlang und Obstplantagen. In Orchards verkaufen die Farmer alle möglichen Produkte aus eigener Herstellung und das Motto „Produkte aus höchstens 100 Kilometer Entfernung“ ist hier Ehrensache. Auf Davisons Apfelfarm sitzen wir bei Kaffee, frisch gepresstem Apfelsaft und hausgemachtem Apple Pie mit Vanniljeeis mitten in der Plantage unter Apfelbäumen mit fantastischem Blick ins Tal. Besser geht’s kaum.

 

Okanagan Lake

 

 

The Okanagan Pumpkin Orchestra

 

 

Davisons Apple Orchard

 

 

Susan and the Pies

 

Die Winzer bieten auf ihren Weingütern Führungen und Verkostungen und Restaurants an und so ist das hier ein einziges riesiges Schlemmerparadies. Wir besuchen die Gray Monk Estate Winery, in einer Miniburg über dem Okanagan See gelegen. Der Blick über die Weinberge ist ein bisschen wie am Rhein. Die Gründerfamilie Heiss kommt aus Österreich und Deutschland. Sie bauen Pinot, Merlot und Rieslingweine an. Eine Riesling/Gewürztraminer Verschnitt nennen sie „50 Latitude“ – auf dem 50. Breitengrad liegt nicht nur Vernon, sondern auch die Champagne und die Weinanbaugebiete am Rhein. Das Restaurant hat eine wunderbare Terrasse über dem Tal, die Karte zeigt (mit Ausnahme des unübertroffenen B.C. Salmon) Gerichte und Zutaten aus der Region mit den dazugehörigen Weinen und es ist alles sehr fein aufeinander abgestimmt, unsagbar lecker und freundlich und wundervoll.

Wein wie am Rhein

Gray Monk Estate Winery

Ein bisschen wie Sonnenuntergang auf dem Weinberg von Werder

Im Sommer wird es bis zu 40 Grad, im Winter verwandelt sich das Früchteparadies in ein riesiges Skigebiet. Die Schneeschmelze versorgt eine ganze Seenlandschaft mit Wasser, so dass die Orte im Sommer nicht darben. Die größte Kleinstadt hier ist Kelowna – ein Rentnerparadies, denn wer sich im retirement Vancouver und Victoria nicht mehr leisten kann, zieht ins günstigere und bessere Klima ins Okanagan Valley. Mit eigenem internationalen Flughafen und besten Sicherheitsbedingungen, denn hier wurde weltweit der erste Nacktscanner eingesetzt. Ich nehme deshalb morgen nicht den Flieger, sondern den Bus nach Vancouver.

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2 Antworten zu “Schlürfschmatzschleck

  1. Lieber Wolf-Chr.!
    Wir beneiden Dich ! Aber übermorgen fahren wir ja ebenfalls in eine Weingegend. Gestern waren wir zum Empfang der koreanischen Botschaft aus Anlaß Ihres Nationalfeiertags. Hm, war das Essen lecker ! Heute geht’s in die Philharmonie.
    Ganz herzliche Grüße an Susan. Sag‘ ihr, daß wir noch häufig an das letzte Jahr bei ihr denken !
    Gute Weiterreise wünschen Pa u Ma

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