Nachtrag: New York 1

NEW YORK  CITY, New York

27. September 2010

Time is money.

 

Central Park West

 

Es sind immer alle in Eile.

Bin gut in New York angekommen, mit dem Bus aus Connecticut geflohen…

…in der Penn Station ausgespuckt, mit der U-Bahn ins Hostel Upper West Side. Nach zehn Tagen auf dem Land bin ich ganz ausgehungert nach Großstadt. Ich trete auf die Straße und sofort ist alles toll und inspirierend. Man will sofort etwas schaffen hier, etwas auf die Beine stellen, nur Tourist zu sein reicht eigentlich nicht. Und Rumsitzen ist sträflich.

Das Hostel ist teuer, das Zimmer klein, das private bath ist in Wirklichkeit ein Bad auf dem Flur. Es regnet, im Hinterhof streitet sich ein Paar und ein anderes streitet sich nicht mehr.

Die Straßen sind voll mit Menschen. Alles ist ganz international und interessant und zuweilen schick. Alles hat Tempo und man hat das Gefühl, das jede Sekunde kostet, und dass jede ungenutzte Sekunde überflüssig ist: in der man nicht grade irgendwo hin eilt, in der man nicht grade etwas tut, oder telefoniert, oder ein Taxi heranwinkt, oder ein Ziel vor Augen hat oder Geld verdient. Gegessen wird oft genug im Gehen, die Schritte sind schnell und zielgerichtet.

Die Wege sind lang, also wird jede Minute teuer. Zeit hat hier einen anderen Wert, man sitzt nicht in einem Café rum, es sei denn man ist Tourist oder man trifft Freunde oder hat ein Meeting oder ist auf dem Weg. Man geht natürlich bei Rot und wartet nicht. Der Verkehr fließt zügig und gleichzeitig wundersam rücksichtsvoll. Die Menschen haben keine Zeit, aber sie sind freundlich, wenn man fragt und für ihre Eile sehr hilfsbereit. Wenn etwas nicht klappt, ist fluchen unprofessionell. Stoisch geht man seine Wege, notfalls eben andere.

Erstaunlich, wie die Stadt funktionieren kann. Jedes Gebäude eine eigene kleine Welt, ein logistischer Kraftakt. Hochhäuser Block an Block, ein Fenstermeer bis zum Horizont. Hinter jeder Tür ein Aufzug, unendliche Etagen, unendliche Büros, unendliche Wohnungen, unendliche Kommunikation, unendlicher Handel, unendlicher Aufwand.

Man hat ständig das Gefühl etwas zu verpassen. Jede Minute im Hotel ist eine verschenkte Minute. Erschöpfung gilt nicht.

In den Bars spricht man mit fremden Menschen. Während in Berlin die meisten Nachteulen zu cool sind, um sich eine Unterhaltung zu trauen, regiert in New York der small talk. Mit dem ist man ebenso schnell bekannt, wie bei Bedarf verabschiedet. Im freundlichen Geplänkel wahrt jeder sein Gesicht. Denn auch hier läuft man sich auf der Straße wieder über den Weg. Auf der 7. Avenue treffe ich eine Bekannte aus Berlin. Ich habe keine Karte dabei. Das identifiziert mich als Anfänger.

In New York hat man immer eine Karte.

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